Taipei – 19. Oktober 2014 - Hunderte von Studenten stürmten am Dienstagnachmittag das Parlament und besetzten dieses am Abend, um eine Verabschiedung des bereits unterzeichneten Dienstleistungshandelsabkommens mit China zu verhindern.
Zuvor hatten sich bereits etwa 2000 Menschen vor dem Parlamentsgelände versammelt. Die Protestler überwanden später die Zäune und drangen in das Gebäude ein. Im weiteren Verlauf kam es bei zwei Räumungsversuchen zu Verletzten, einige Einrichtungsgegenstände wurden dabei beschädigt.
Die Proteste entsprangen, nachdem die regierende Kuomintang (KMT) die sich lange hinziehende Überprüfung des Dienstleistungsabkommen für erledigt und am letzten Montag zur „Beschlußsache“ erklärten, um die Verabschiedung des Abkommens zu beschleunigen. Dies stand allerdings im Gegensatz zu der zuvor von der KMT gemachten Versprechung einer Punkt-zu-Punkt-Betrachtung des Abkommens.
Die KMT betrachtet das Abkommen als vorteilhaft für Taiwans Wirtschaft, die Opposition befürchtet negative Einflüsse für Taiwans Dienstleistungindustrie und größeren Einfluss Chinas.
Der Generaldirektor der Polizei, Wang Cho-chiun, berichtete am heutigen Mittwoch von 38 verletzten Polizeibeamten, vier Demonstranten wurden festgenommen, einer davon ist Student. Einer der verletzten Polizeibeamten befindet sich noch in stationärer Behandlung.
Die Haupthalle des Parlaments ist immer noch von den Demonstranten besetzt, laut ihren Angaben wollen sie diese nicht vor Freitag verlassen.
Polizeigeneraldirektor Wang rief die Demonstranten zu einem friedlichen Verlassen der Parlamentshalle auf.
Parlamentspräsident Wang Jin-ping kritisierte das negative soziale Verhalten der Demonstranten und bedauerte deren Aktionen im Parlament.
„Gestern Nacht kletterten Personen über unseren Zaun, besetzten unseren Platz. Später beschädigten sie in großem Maaße öffentliches Eigentum und verriegelten sich vor der Polizei. Dies ist wirklich schlechtes soziales Verhalten , welches ich bedauere.“
Er appelierte ebenfalls an den Führer der Oppositionspartei zur gemeinsamen friedlichen Lösung auf. Den Demonstranten gegenüber drückte er seine Hoffnung aus, dass sie sich rational, ruhig und zurückhaltend verhalten und er hoffe auf eine baldige Wiederaufnahme des normalen parlamentarischen Betriebes, um rational über das Dienstleistungshandelsabkommen zu entscheiden. Mit der Opposition wolle man ein angemessenes Verfahren bei der Regierungsarbeit diskutieren.