Taipeh – 7. Oktober 2014. In einem Brief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Tsai Chinghua, die Leiterin von Taiwans Vertretungsbüro in Frankfurt a.M., Peking dazu aufgefordert, Hongkonger Forderungen nach mehr Demokratie und allgemeinen Wahlen zu respektieren. Zudem lehnte Tsai in dem gestern veröffentlichten Brief das von Chinas Staatspräsident Xi Jinping angepriesene Modell „Ein Land, zwei Systeme“ als unakzeptabel für Taiwan ab.
Der unter dem Titel „Der Rechtsstaat ist das einzige System“ abgedruckte Brief betonte zudem den engen Zusammenhang von einem stabilen demokratischen System und der wirtschaftlichen Entwicklung. Hongkongs Rolle als Finanzzentrum der Welt sei nur dann möglich, wenn man das Vertrauen der Anleger mittels demokratischer Stabilität sichern könne, wie es in dem Text hieß.
Mit Hinblick auf Taiwan schrieb Tsai, dass die Mehrheit der Bevölkerung das „Ein Land, zwei Systeme“-Modell ablehnt. Mit freien Wahlen, einem Mehrparteiensystem und der Einhaltung der Menschenrechte richte sich Taiwan nach dem Modell westlicher Demokratie und gelte als Vorbild im chinesischsprachigen Raum. Daher sei ein Rechtsstaat, der persönliche Freiheit, Menschenrechte und faire allgemeine Wahlen gewährleisten kann, das einzige System, das Taiwan brauche, so Tsai.