Taipei – 27. Juli 2022. Demokratische Länder müssen zusammenarbeiten, um im Angesicht autoritärer Bedrohungen widerstandsfähige Lieferketten zu errichten. Dies sagte Präsidentin Tsai Ing-wen (蔡英文) heute beim Treffen mit Teilnehmern eines regionalen Sicherheitsforums.
Gestern endete das Ketagalan-Forum, ein in Taiwan veranstalteter Sicherheitsdialog. Dieses Jahr nahmen an der Veranstaltung Abgeordnete aus Estland, Japan, Australien und Frankreich teil. Unter den Teilnehmern befanden sich der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves, der japanische Gesetzgeber Keisuke Suzuki und die ehemaligen australischen Verteidigungsminister Christopher Pyne und Kevin Andrews.
Tsai sagte, dass die COVID-19-Pandemie die Welt gezwungen habe, ihre Lieferketten neu zu strukturieren. Aufgrund der Expansion und zunehmenden Bedrohung durch autoritäre Länder sei es an der Zeit, die Lieferketten zwischen demokratischen Ländern zu stärken. Auf diese Weise könne man verhindern, dass autoritäre Länder Demokratien wirtschaftlich bedrohen, so Tsai.
Tsai fuhr fort, dass Taiwan an der Spitze der demokratischen Verteidigungsfront stünde. Taiwan halte sich strikt an von Handelsblöcken festgelegte internationale Standards. Damit sei Taiwan ein realistischer Handelspartner, so Tsai.
Der Vertreter des ehemaligen estnischen Präsidenten Ilves wiederum sagte, dass ein neues digitales Zeitalter begonnen habe. Sicherheitsfragen würden sich deshalb nicht länger nur auf Geographie oder Geopolitik beschränken. Er fuhr fort, dass über ein Bündnis auf der Grundlage gemeinsamer Werte wie Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit nachgedacht werden müsse, um sich gegen autoritäre Regime verteidigen zu können. Auch die Etablierung eines Sicherheitsrahmens, der nicht durch Geopolitik eingeschränkt wird, sei vonnöten, so Ilves.