Taipei, 15. Januar - Der Bürgerrechtler und ehemalige Vorsitzende der Demokratischen Fortschrittspartei, Shih Ming-teh (施明德), ist am Montagmorgen im Alter von 83 Jahren im Veterans General Hospital in Taipei an Leberkrebs gestorben. Die Sprecherin des Präsidialamtes, Olivia Lin (林聿禪), gab bekannt, dass Präsidentin Tsai Ing-wen (蔡英文) Shih gestern besucht hatte. Tsai sei zutiefst traurig über die Nachricht von Shihs Tod und hoffe, dass seine Familie ihm Tribut zollen werde.
Die Sprecherin betonte, dass Shih Ming-teh sich an der demokratischen Bewegung Taiwans beteiligt, die Konzepte von Freiheit und Demokratie gefördert und das Partei-Staat-System während der autoritären Zeit herausgefordert hatte. Er plädierte für die Aufhebung von Parteiverboten, von Zeitungsverboten, des Kriegsrechts und des sogenannten Zehntausendjährigen Kongresses. Shih wurde Zeit seines Lebens mehrmals inhaftiert und verbrachte über 25 Jahre im Gefängnis. Er war Mitbegründer und Leiter der oppositionellen Zeitschrift “Formosa”, die eine Demonstration zum Tag der Menschenrechte in Kaohsiung abgehalten hatte, bei der Demokratie in Taiwan gefördert und gefordert wurde. Dies führte zum sogenannten Kaohsiung-Vorfall oder Meilidao-Vorfall, die eine Verhaftungswelle gegen namhafte Oppositionsführer zufolge hatte, darunter Shih selbst, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Der Kaohsiung-Vorfall gilt als Wendepunkt in der Entwicklung der Demokratie Taiwans. Nach seiner Entlassung 1990 wurde Shih Vorsitzender der DPP.
Die Sprecherin Lin hob hervor, dass sich Shih sein ganzes Leben lang intensiv um die Entwicklung der taiwanesischen Gesellschaft gekümmert habe und ein Pionier der Menschenrechte und der Demokratie in Taiwan gewesen sei. Sein Engagement und sein Beitrag zur taiwanischen Gesellschaft würden von zukünftigen Generationen geschätzt werden.
Erst Ende letzten Jahres wurde erneut Leberkrebs bei ihm diagnostiziert.