In einem Interview mit dem Magazin The Economist hat Taiwans Admiral Tang Hua (唐華) erklärt, dass China seit der Amtsübernahme von Präsident Lai Ching-te eine sogenannte „Anaconda-Strategie“ anwende, um Druck auf Taiwan auszuüben.
Es sei kein Geheimnis, dass China für Präsident Lai Abneigung hege, schreibt The Economist. In China werde er als sturer und provokativer Separatist bezeichnet. Seit Lais Amtsantritt entsende die chinesische Volksbefreiungsarmee immer mehr Luft- und Seestreitkräfte rund um Taiwan. Diese Strategie ziele darauf ab, durch eine stetige militärische Präsenz in der Nähe Taiwans das Land zu zermürben und Fehler zu provozieren, die als Vorwand für eine Blockade genutzt werden könnten, sagt Admiral Tang. Die Volksbefreiungsarmee sei jederzeit bereit, Taiwan zu blockieren.
Verteidigungsminister Wellington Koo (顧立雄) reagierte auf diese Äußerungen und betonte, dass Chinas expansiver Drang unabhängig von politischen Veränderungen stets bestehen bleibe. Die internationale Gemeinschaft habe die Bedeutung von Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße jedoch längst erkannt. Zudem unterstrich er, dass das Verteidigungsministerium mögliche Bedrohungen durch China genau beobachte und entsprechende Gegenmaßnahmen vorbereitet habe.
Seit 2020 veröffentlicht das taiwanische Verteidigungsministerium täglich aktuelle Informationen über die Luftaktivitäten rund um die Insel, einschließlich Karten mit den Standorten chinesischer Kampfflugzeuge. Im Jahr 2022 kamen Aktualisierungen über die Anzahl der Marineschiffe der PLA hinzu, die rund um Taiwan operieren. Es wird jedoch nicht angegeben, um welche Art von Schiffen es sich handelt, wohin sie sich begeben und wie lange sie sich dort aufhalten. Tang Hua sagt, die Regierung könnte befürchten, dass genaue Informationen hierüber die Moral oder Wirtschaft Taiwans negativ beeinflussen könnten.