Taipei – 20.10.2024 - Amnesty International Taiwan wird in Kürze die chinesischsprachige Version des Buches “60+ Voices - Reflecting on Everyday Lives in North Korea” herausgeben. Das im vergangenen Jahr von Amnesty International Korea veröffentlichte Buch enthält Berichte von mehr als 60 aus Nordkorea Geflohenen über ihre Erfahrungen in Nordkorea. Der Nordkoreaexperte von Amnesty International Korea, Choi Jae-hoon, und die aus Nordkorea geflohene Jo Eun-sil haben bei einem Besuch in Taiwan über die Menschenrechtssituation und das Leben in Nordkorea gesprochen.
Jo Eun-sil beschrieb in einem Interview mit RTI ihr Leben in Nordkorea als "Leben wie in einem Gefängnis ohne Mauern“. Das tägliche Leben stehe unter strenger Kontrolle. Sogar für die Wahl der Frisur oder Kleidung drohe Zwangsarbeit. Jo Eun-Sil erzählte bei dem Interview weiter, dass sie trotz eines Universitätsabschlusses ihre berufliche Laufbahn nicht selbst entscheiden konnte. Arbeitsstellen und Löhne werden von der Regierung zugewiesen und bestimmt. Weil die Regierung das Militär an erste Stelle setze, seien die Löhne so niedrig, dass ein Monatslohn kaum für eine Flasche Soju, also eine Flasche Reiswein, ausreiche. So müssten die Nordkoreaner andere Wege finden, um zu überleben. Jo Eun-sil erzählte weiter, als sie Nordkorea 2019 verließ, war es nicht ungewöhnlich, dass einer von zehn Menschen an Hunger starb. Dieser Mangel an Selbstbestimmung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft trieben sie schließlich zur Flucht.
Jo Eun-Sils Erfahrungsbericht ist einer von mehr als 60 Berichten von aus Nordkorea geflohenen Menschen im von Amnesty International Korea vergangenes Jahr veröffentlichten Buch “60+ Voices - Reflecting on Everyday Lives in North Korea”. Das Buch beinhaltet persönliche und detaillierte Beschreibungen von Menschenrechtsverletzungen im Alltag in Nordkorea, darunter öffentliche Hinrichtungen, Folter, Inhaftierungen und Verschwinden von Menschen.
Der Nordkoreaspezialist von Amnesty International Korea hat über viele Jahre Interviews mit mehr als 500 Menschen geführt, die aus Nordkorea geflohen sind. Er sagte, viele glaubten, dass es keine Veränderungen in Nordkorea gegeben habe. Er habe jedoch in den vergangenen 20 bis 30 Jahren allmähliche politische Veränderungen bemerkt. Dazu gehöre die Abnahme der Zahl der politischen Gefangenen, da die Internationale Gemeinschaft zunehmend auf die Menschenrechtssituation in Nordkorea achte. Er rief die Öffentlichkeit dazu auf, die Bemühungen von Amnesty International zu unterstützen, darunter die Bemühungen für Nordkorea, um den fehlenden Schutz der Menschenrechte anzugehen.
Bericht “60+ Voices - Reflecting on Everyday Lives in North Korea” als PDF-Datei:
https://amnesty.or.kr/wp-content/uploads/bcp-attach/60-Voices_AI-Korea_Eng.pdf
