Taipei – 7. November 2024. Am gestrigen Mittwoch fand in Taipei das 2024 Deutschland und Taiwan - Forum zur Energiewende statt. Das bilaterale Forum findet seit 2016 abwechselnd in Deutschland und Taiwan statt und wurde dieses Jahr gemeinsam von der Energiebehörde des taiwanischen Wirtschaftsministeriums (經濟部能源署) sowie dem Deutschen Institut Taipei veranstaltet.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Generaldirektor der Energiebehörde des Wirtschaftsministeriums, Dr. Cheng-Wei Yu (游振偉), sowie dem Generaldirektor des Deutschen Instituts Taipei, Dr. Jörg Polster. Dr. Yu hob in seiner Ansprache unter anderem den hohen Anteil von erneuerbaren Enerigien am deutschen Energiemix hervor, während Dr. Polster auch auf die gestiegenen Energiekosten und die Herausforderungen bei der Finanzierung von Erneuerbaren Energien zu sprechen kam. Christian Forwick, Generaldirektor für Außenwirtschaft im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sprach in seiner Videobotschaft über die tiefgreifenden Veränderungen, welche die deutsche Energiepolitik in den letzten Jahren durchlaufen hat, insbesondere infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Aus Deutschland angereist als Experten für die deutsche Energiepolitik waren Anchali Stapornwongkul, stellvertretende Leiterin des Referats für allgemeine Angelegenheiten der bilateralen und regionalen Klima- und Energiekooperation des BMWK sowie Martin Albicker, Leiter des Industriereferats der Deutschen Energieagentur (dena). Luisa Keßler von der Bellona Deutschland gGmbH sprach über Videoschaltung darüber, wie die Zivilgesellschaft in Deutschland zu Wasserstoff steht. Unter den taiwanischen Experten waren Jyuung-Shiauu Chern (陳炯曉), technischer Experte von der Energiebehörde des Wirtschaftsministeriums, sowie Dr. Tarcy Sih-Ting Jhou (周思廷) und Dr. Chi-Wen Liao (廖啟雯), beide von dem Forschungslabor für Grüne Energie und Umwelt vom taiwanischen Industrial Technology Research Institute (ITRI).
In drei Sitzungen stellten taiwanischen und deutschen Experten die jeweilige Energiepolitik des Landes vor. Die erste Sitzung diente einem Überblick über die nationale Energiepolitik, die beiden späteren Sitzungen widmeten sich der zukünftigen Nutzung und Regulierung von Carbon Capture and Utilisation/Storage (CCU/S) sowie der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Taiwan.
Die gut besuchte Veranstaltung verdeutlichte das Interesse in Taiwan an deutscher Energiepolitik. Deutschland und Taiwan eint der Atomausstieg sowie eine hohe Bevölkerungsdichte, die den Ausbau von erneuerbaren Energien einschränken kann. Allerdings verdeutlichte die Veranstaltung auch Unterschiede in der politischen Schwerpunktsetzung sowie unterschiedliche Möglichkeiten für die Nutzung von erneuerbaren Energien und neuen Technologien. Taiwan hat zwar ein hohes Potential für Solarstrom, jedoch sehr begrenzte Freiflächen. Während Deutschland durch seine geografische Lage Gas und Wasserstoff durch Pipelines transportieren kann, ist Taiwan auf Importe von Flüssiggas durch Tanker angewiesen.
Das Publikum aus Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stellte interessiert Fragen an die deutschen Experten, unter Anderem zur Verwendung von Biomasse in der Energieproduktion, Atommüllendlagerung, der Zukunft von Kernkraft sowie dem Ausbau von Onshore Wind Energie. Im nächsten Jahr wird das Forum voraussichtlich wieder in Deutschland veranstaltet werden.