Taipei, 17. Dezember - Heute fand das 15. Twin City Forum zwischen Taipei und Shanghai im Regent Hotel in Taipei statt, trotz anhaltender Spannungen durch chinesische Militärflugzeuge in der Nähe Taiwans. Taipeis Bürgermeister Chiang Wan-an (蔣萬安) nutzte die Veranstaltung, um zu mehr Dialog und weniger Konfrontation zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße aufzurufen. Die Veranstaltung wurde von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) kritisiert, da Chiang ein früheres Versprechen, das Forum bei anhaltenden Provokationen abzusagen, nicht eingehalten habe.
Chiang erklärte in seiner Rede, dass das Forum nicht nur dem Austausch zwischen den Städten diene, sondern auch eine Plattform sei, um die Beziehungen zwischen Taiwan und China zu verbessern. Er betonte, dass er als demokratisch gewählter Bürgermeister Taipeis die Verantwortung habe, sich für Frieden und Stabilität einzusetzen.
Taipeis Vizebürgermeisterin Lin Yi-hua (林奕華) hob in ihrer Rede hervor, dass das Forum eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen den beiden Städten sei. Seit seiner Gründung wurden 45 Kooperationsvereinbarungen in Bereichen wie Kultur, Sport und Umweltschutz unterzeichnet. Über 23.000 taiwanische Unternehmen, darunter viele aus Taipei seien in Shanghai tätig, zudem besuchten 2023 mehr als 500.000 Taiwaner Shanghai, darunter viele junge Menschen.
Shanghais Vizebürgermeister Hua Yuan (華源) kündigte an, dass Shanghai Gruppenreisen nach Taiwan fördern wolle, wobei Taipei als Reiseziel fest eingeplant sei. Die Ankündigung sorgte für Aufmerksamkeit, da derzeit keine umfassende Öffnung für chinesische Touristen nach Taiwan besteht. Die Kommission für Festlandangelegenheiten (MAC) erklärte, dass die Regierung grundsätzlich offen für chinesische Touristen sei, jedoch auf eine offizielle Ankündigung der chinesischen Behörden warte. Bürgermeister Chiang begrüßte diese Initiative Shanghais, da sie die lokale Wirtschaft und den Tourismus stärken könne.
Das Forum wurde von Protesten begleitet, bei denen Unabhängigkeitsbefürworter vor dem Veranstaltungsort gegen die Veranstaltung demonstrierten und sie als „ungleichwertigen Austausch“ kritisierten. Es kam zu kleineren Zwischenfällen, als einige Demonstranten versuchten, in den Veranstaltungsraum zu gelangen. Chiang erklärte dazu, dass solche Proteste ein Zeichen für Taiwans demokratische und vielfältige Gesellschaft seien, und betonte, dass er alle Meinungen respektiere.