Taipei – 6. März 2025. Anlässlich des 66. Jahrestags des Tibetischen Aufstands haben mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter die Tibet Taiwan Menschenrechtsvereinigung und die Tibetische Wohlfahrtsvereinigung in Taiwan, zu einer Demonstration in Taipeh aufgerufen. Die Veranstaltung am 9. März steht unter dem Motto:
„Scheinbarer Friedensvertrag, tatsächliche Invasion: Tibet ist nicht Teil Chinas.“
Die Organisatoren fordern die internationale Gemeinschaft auf, die Menschenrechtslage in Tibet stärker in den Blick zu nehmen.
Im Vorfeld der Demonstration fand am heutigen Donnerstag im taiwanischen Parlament eine Pressekonferenz statt. Mehrere Abgeordnete der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), darunter Fan Yun (范雲), Huang Jie (黃捷), Puma Shen (沈伯洋) und Ngalim Tiunn (張雅琳), äußerten sich kritisch zur Tibet-Politik Chinas.
Sie warfen der chinesischen Regierung vor, gegen das „Siebzehn-Punkte-Abkommen“ von 1951 verstoßen zu haben. Dieses Abkommen sei damals von Tibet unter Zwang unterzeichnet worden und sollte eine friedliche Eingliederung Tibets in China regeln. Doch anstatt sich an die zugesagten Autonomierechte zu halten, habe Peking die vollständige Kontrolle über Tibet übernommen.
Kelsang Gyaltsen (格桑堅參), Vorsitzender der Dalai Lama Tibetischen Religionsstiftung, betonte, dass Tibet historisch nie Teil Chinas gewesen sei. Er erinnerte daran, dass China nach der militärischen Besetzung Tibets 1951 das Abkommen erzwang, sich jedoch nicht an seine Verpflichtungen hielt.
Am 10. März 1959 kam es zum Tibetischen Aufstand gegen die chinesische Herrschaft. Die Proteste wurden von der chinesischen Armee blutig niedergeschlagen. Infolge der Repression flohen der Dalai Lama und Zehntausende Tibeter nach Indien, wo sie die Exilregierung Tibets gründeten.
Gyaltsen warnte, dass die autoritäre Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas nicht nur Tibet betreffe, sondern auch Hongkong, die Uiguren und Taiwan. Er wies auf eine Zunahme von Fällen hin, in denen chinesische Behörden Oppositionelle im Ausland überwachen und unter Druck setzen.
Die Gedenkdemonstration beginnt am 9. März in Taipeh an der MRT-Station Zhongxiao Fuxing und führt bis zu einem Park neben dem Taipei 101. Am 10. März, dem eigentlichen Jahrestag des Aufstands, findet eine Kerzenlicht-Mahnwache auf dem Freiheitsplatz vor dem Chiang-Kai-shek-Memorial statt.