Taipei, 02. April - Myanmar wurde am 28. März von einem starken Erdbeben getroffen. In der Stadt Mandalay stürzte dabei unter anderem das Great Wall Hotel ein, eine taiwanische Frau kam ums Leben, ihr Mann entkam mit leichten Verletzungen. Nach tagelanger Suche stellte das letzte Rettungsteam gestern die Bergungsarbeiten ein, da keine Lebenszeichen mehr festgestellt wurden. Luo Zhenhua (羅振華), Generalsekretär der Vereinigung taiwanischer Geschäftsleute in Myanmar, berichtete, dass es vor Ort an wichtigen Hilfsgütern wie Masken, Leichensäcken und Impfstoffen gegen Tetanus mangelt. Zudem erschweren hohe Temperaturen, zerstörte Straßen und die Gefahr von Dengue-Fieber die Lage zusätzlich.
Die 1983 in Taiwan gegründete buddhistische Organisation Ling Jiou Mountain Buddhist Society (靈鷲山) leistet derweil Soforthilfe und hat an einer Zwischenstation zwischen Yangon und Mandalay eine Essensausgabe für die betroffenen Menschen eingerichtet. Der Gründer der Organisation, Meister Hsin Tao (心道法師), der selbst aus Myanmar stammt, zeigte sich unmittelbar nach dem Erdbeben besorgt und nahm Kontakt mit Mönchen vor Ort auf. Es wurden an einer Zwischenstation Zelte aufgebaut und kostenlose Mahlzeiten an betroffene Bewohner verteilt, außerdem dringend benötigte Hilfsgüter wie Zelte, Moskitonetze, Regenschutzplanen und Babynahrung aus Yangon, Taiwan und Thailand trotz schwer beschädigter Straßen in die Katastrophengebiete transportiert.
Taiwans Feuerwehrbehörde teilte gestern Abend mit, dass taiwanische Rettungsteams bereits unmittelbar nach dem Beben bereitstanden, um nach Myanmar zu reisen. Insgesamt standen 126 Rettungskräfte, darunter Ärzte, Pflegepersonal, Ingenieure und sechs Rettungshunde bereit. Trotz mehrfacher Anfragen über Taiwans Vertretung in Myanmar erhielt Taiwan jedoch keine offizielle Antwort von der myanmarischen Regierung. Deshalb musste das Rettungsteam am 30. März den Bereitschaftszustand aufheben. Die Behörde wies Spekulationen zurück, wonach Taiwan freiwillig auf Hilfe verzichtet oder bei früheren Einsätzen versagt hätte. Taiwan habe in der Vergangenheit bei internationalen Hilfseinsätzen, etwa in der Türkei, Haiti und Japan, stets gute Arbeit geleistet und internationale Anerkennung erhalten. Die Feuerwehrbehörde äußerte Bedauern über die Falschinformationen im Internet und forderte die Öffentlichkeit auf, sich sachlich zu informieren.
Unterdessen erklärte Hsu Chia-ching (徐佳青), Vorsitzende der Kommission für Auslandstaiwaner, dass Mitarbeiter ihrer Behörde trotz schwieriger Bedingungen bereits in Mandalay eingetroffen seien, um den Angehörigen der verstorbenen Taiwanerin zu helfen. Die Kommission arbeitet eng mit der Vereinigung taiwanischer Geschäftsleute zusammen, um sicherzustellen, dass Hilfsgüter und Spendengelder direkt bei den Bedürftigen ankommen. Lokale taiwanische Unternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen haben ebenfalls begonnen, Hilfsgüter zu sammeln und in die betroffenen Gebiete zu bringen.