Taipei – 11. In Taiwan ist erstmals ein Fossil des Denisova-Menschen identifiziert worden. Eine am 11. April im Fachjournal Science veröffentlichte Studie bestätigt, dass ein 2015 aus der Meeresregion bei den Penghu-Inseln (澎湖) geborgenes Unterkieferfossil einem männlichen Denisova-Menschen zugeordnet werden kann. Damit wurde erstmals ein Vertreter dieser Frühmenschen in einer tropischen Region nachgewiesen.
Geleitet wurde die internationale Studie vom japanischen Anthropologen Takumi Tsutaya (蔦谷匠), beteiligt waren auch Tsai Cheng-hsiu (蔡政修) von der Nationaluniversität Taiwan sowie Chang Chun-hsiang (張鈞翔) vom Naturwissenschaftlichen Museum in Taichung. Der Fund belegt, dass sich Denisova-Menschen nicht nur in kalten, sondern auch in warm-feuchten Klimazonen behaupten konnten – ein Hinweis auf eine weit größere geografische Verbreitung als bisher angenommen.
Denisova-Menschen sind nahe Verwandte der Neandertaler. Erstmals genetisch nachgewiesen wurden sie 2010 durch den schwedischen Genetiker Svante Pääbo, der dafür 2022 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Der neue Fund in Taiwan wurde aufgrund der schlechten DNA-Erhaltung über eine Proteinanalyse bestätigt – ein wissenschaftlicher Durchbruch in tropischen Regionen.