Taipei – 14.4.2025 - US-Handelsminister Howard Lutnick hat gestern in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC angegeben, dass die am 11. April von der US-Zollbehörde bekannt gegebene Ausnahmeregelung für Smartphones, Computer und einige andere elektronische Produkte nur vorübergehend sei. US-Präsident Donald Trump hat außerdem angekündigt, dass er in der kommenden Woche neue Zölle auf Halbleiter bekannt geben werde.
Liu Pei-chen (劉佩真), Leiterin der Industrie- und Wirtschaftsdatenbank (Taiwan Industry Economics Service) des Taiwan Wirtschaftsforschungsinstituts, sagte, Halbleiter seien strategisch wichtig. US-Präsident Donald Trump habe wiederholt gesagt, dass Taiwan den USA ihre Führungsrolle in der Halbleitertechnologie weggenommen habe, deshalb wolle er die Lieferkette wieder zurück in die USA holen. Man müsse darauf vorbereitet sein, dass die Zölle auf Halbleiter voraussichtlich nicht niedrig sein werden.
Auf die Frage, wie Zölle auf Halbleiter als Zwischenprodukt erhoben werden können, analysierte Liu Pei-chen, dass eigentlich der Anteil der Direktimporte Taiwans in die USA nur 5 Prozent ausmacht. Doch viele Halbleiter würden nach der Montage in China oder anderen Orten in die USA exportiert. Die indirekten Halbleiterexporte von Taiwan in die USA könnten bis zu 35 Prozent betragen, besonders bei Logikchips sei dies deutlich mehr als bei Südkorea, China oder Japan. Wenn die USA die Herkunft der Produkte entlang der Lieferkette zurückverfolgen und entsprechend besteuern wollten, sei das technisch zwar machbar, aber sehr komplex und mit hohen Kosten verbunden.
Liu Pei-chen sagte: "Da der Herstellungsprozess von Chips mehrfaches Verarbeiten, Montieren und grenzüberschreitenden Transport und Weitergabe umfasst, ist es in der Praxis sehr schwierig, den Ursprungsort von Chips genau zurückzuverfolgen und genauere Zölle zu erheben. Doch es ist auch nicht unmöglich, wenn die USA wirklich entschlossen sind, dies umzusetzen."
Liu Pei-chen stimmte der Meinung einiger Experten zu, dass die Produktionskosten in Taiwan im Vergleich zu denen in den USA trotz Zöllen wettbewerbsfähiger bleiben könnten. Liu sagte, man könne zwar durch Produktion in den USA Zölle vermeiden, doch Taiwan werde sehr wahrscheinlich auf andere Herausforderungen stoßen, wie unvollständige Lieferketten, kulturelle Unterschiede, oder Einsatzbereitschaft von Ingenieuren rund um die Uhr. Dennoch verfügten die USA über einige Schlüsseltechnologien und Produktionsfaktoren im Halbleiterbereich, sodass TSMC weiterhin Druch von den USA ausgesetzt sei.
Smartphones und elektronischer Produkte betreffend erklärte Chiu Shih-fang (邱昰芳), leitende Analystin an Taiwan Wirtschaftsforschungsinstitut, dass derzeit eine vorübergehende Ausnahmeregelung von 90 Tagen für Zölle gelte. Unternehmen müssten in dieser Zeit aktiv ihre Produktionskapazitäten anpassen, um möglichen zukünftigen Zollmaßnahmen zu begegnen. Derzeit, im zweiten Quartal, bereiten die Unternehmen die Lieferungen neuer Produkte für das zweite Halbjahr vor. Einige Markenkunden werden vorzeitige Lieferungen wünschen. Doch übermäßige Bestellungen könnten bei nachlassender Nachfrage zu Lagerdruck und Schwierigkeiten beim späteren Versand führen. Bei iPhones würden zum Beispiel die neuen Modelle gewöhnlich im September vorgestellt. Der Höhepunkt der Lieferungen erfolge nach Juli, August. Daher sei es derzeit schwierig, im Voraus einen größeren Lagervorrat anzulegen.
Chiu Shih-fang sagte außerdem, dass man bei einer drastischen Erhöhung der Zölle zwar versuchen könne, die Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, der Spielraum dafür aber begrenzt sei. Zu hohe Preise könnten die Nachfrage beeinträchtigen. Es komme schließlich darauf an, wie hoch die Zölle tatsächlich sein werden.