Taipei – 16. Mai 2025. In den laufenden Zollverhandlungen mit den USA setzt Taiwan auf den Abbau von Handelsbarrieren und die Stärkung einer strategischen Partnerschaft. Vizepremierin Cheng Li-chiun (鄭麗君), die das Verhandlungsteam leitet, betonte am Donnerstag, dass das Ziel eine faire, gegenseitig vorteilhafte Wirtschaftsbeziehung sei – mit besonderem Fokus auf Technologiefelder wie Halbleiter, KI und Quantenforschung.
Ende April fand in Washington die erste Gesprächsrunde zwischen Taiwan und den USA statt. Dabei ging es nicht nur um Zölle, sondern auch um andere Handelshemmnisse, wirtschaftliche Sicherheit, Exportkontrollen und Investitionsprüfungen. Die Gespräche verliefen nach Angaben beider Seiten konstruktiv. Taiwan bekräftigte, dass es Maßnahmen zur Verhinderung sogenannter Ursprungsverschleierung – also der Umleitung von Produkten über Drittländer zur Umgehung von Zöllen – bereits deutlich verschärft habe. Dazu gehören präventive Kontrollen, verschärfte Prüfverfahren und Sanktionen bei Verstößen. Auch der Schutz sensibler Technologien wurde ausgebaut, um Technologietransfers gezielt zu verhindern. Währungsfragen waren nicht Teil der Gespräche.
Ziel der taiwanischen Seite sei es, in den Verhandlungen nicht nur nationale Interessen zu wahren, sondern zugleich keine Zugeständnisse in Sachen Lebensmittelsicherheit zu machen, also weiterhin keine US-Lebensmittel zuzulassen, die taiwanischen Standards nicht genügen. Eine Senkung der Zölle wäre aus Sicht Taiwans der richtige Schritt, um Herausforderungen in Chancen zu verwandeln. Der zunehmende Handelsüberschuss mit den USA sei nicht Ausdruck eines Ungleichgewichts, sondern Folge von Produktionsverlagerungen aus China nach Taiwan sowie wachsender Nachfrage amerikanischer Hightech-Unternehmen. Taiwan habe massiv in den US-Markt investiert und trage damit entscheidend zur industriellen Wertschöpfung bei – insbesondere in strategischen Sektoren wie Halbleiter, Robotik, KI und autonomen Systemen.
Besorgt zeigte sich Cheng über die laufende Untersuchung der USA , in der mögliche Strafzölle auf Halbleiterimporte geprüft werden. Taiwan hat dazu am 7. Mai eine offizielle Stellungnahme eingereicht. Darin wird betont, dass Taiwan in der Halbleiter- und KI-Branche ein unverzichtbarer und verlässlicher Partner der USA sei. Neue Zölle könnten die Investitionsbereitschaft taiwanischer Unternehmen in den USA schwächen, das Risiko von Unterbrechungen in globalen Lieferketten erhöhen und letztlich auch den Zielen der US-Industriepolitik zuwiderlaufen.