Taipei – 20. Mai 2025. In seinem ersten ausländischen Fernsehinterview seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr unterstrich Präsident Lai Ching-te (賴清德) das Gefühl der Bedrohung, das von China für die Welt ausgeht.
In dem Interview, das am Sonntag in Taipeh aufgezeichnet und am Montagabend in der japanischen Nachrichtensendung "news zero" von Nippon News Network ausgestrahlt wurde, wurde Lai von dem Moderator Sakurai Sho nach der Möglichkeit eines Konflikts mit China gefragt.
Lai sagte, die Welt sei sich inzwischen darüber im Klaren, dass China versuche, die auf Regeln basierende internationale Ordnung zu verändern, wobei die Annexion Taiwans nur der erste Schritt sei.
Eine Invasion Taiwans würde die weltweite Versorgungskette unterbrechen, so dass ein Konflikt über die Straße von Taiwan unbedingt verhindert werden müsse.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten im Falle eines Konflikts bei der Verteidigung Taiwans helfen würden, gab Lai keine direkte Antwort.
Stattdessen sagte er: "Präsident Biden und Präsident Trump haben den Medien unterschiedliche Antworten gegeben. Aber egal ob unter der Biden-Administration oder der Trump-Administration, die Beziehungen zwischen Taiwan und den USA haben sich weiter gefestigt."
Lai sagte, der Zweite Weltkrieg habe gezeigt, wie wichtig es sei, Taiwans Verteidigung zu stärken und den Frieden durch Abschreckung zu erhalten.
"Wir müssen uns auf den Krieg vorbereiten, um ihn zu vermeiden", sagte er.
Im Rahmen seiner Bemühungen um die Abschreckung eines Angriffs entwickelt Taiwan unbemannte Waffen, um die nationalen Sicherheitsbedürfnisse Taiwans zu befriedigen und die industrielle Entwicklung zu fördern.
Lai betonte, dass die Entwicklung solcher Waffen nicht dazu diene, Taiwan bei der Invasion Chinas zu helfen, sondern vielmehr der Selbstverteidigung.
Der Präsident wies darauf hin, dass Taiwan und Japan bei der Bewältigung von Katastrophen starke Bande geknüpft haben und dass beide Seiten einander bei der Überwindung aller Arten von Schwierigkeiten helfen können.
Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die USA, Japan und die demokratischen Nationen zusammenarbeiten werden, um China daran zu hindern, einen Krieg zu beginnen.
„Vorbeugen ist wichtiger als heilen“, sagte er.
Das Interview war Teil einer Serie des Nippon News Network zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs mit dem Titel „Damit die Gegenwart nicht zur Vorkriegszeit wird“.