Taipei – 23. Mai 2025. Wu Chih-chung (吳志中), stellvertretender Außenminister, hat in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Télégramme die Spannungen in den Beziehungen zu China auf den Erfolg der Demokratie in Taiwan zurückgeführt. Dass ein freiheitlich-demokratisches System auch in einem chinesischsprachigen Kulturkreis funktioniere, stelle laut Wu die autoritäre Herrschaftsideologie der Kommunistischen Partei Chinas direkt infrage.
China sehe die politische Entwicklung Taiwans deshalb als existenzielle Herausforderung. Seit dem Amtsantritt von Staats- und Parteichef Xi Jinping verfolge Peking das Ziel einer „Wiedervereinigung“ zunehmend offensiv – notfalls auch mit militärischen Mitteln, so Wu. China wolle seine Dominanz im Pazifik ausbauen und langfristig die internationale Ordnung neugestalten.
Ein zentrales Augenmerk gelte dem Jahr 2027, dem 100. Gründungstag der Volksbefreiungsarmee. Taiwan beobachte die beschleunigte Aufrüstung Pekings mit Sorge und bereite sich intensiv auf mögliche Bedrohungen vor. Das Verteidigungsbudget sei in den vergangenen Jahren um 80 % gestiegen. Mit rund 180.000 aktiven Soldaten verfüge Taiwan heute über militärische Kapazitäten, die jene mancher europäischer Staaten überträfen.
Neben der militärischen Bedrohung hob Wu die Bedeutung der Partnerschaft mit den USA hervor. Washington bleibe Taiwans wichtigster strategischer Partner und Rüstungslieferant. Die bilaterale Zusammenarbeit werde kontinuierlich vertieft, sowohl bei der Ausrüstung als auch bei der strategischen Koordination.
Abschließend warnte Wu eindringlich vor Chinas hybrider Kriegsführung. Peking versuche systematisch, die staatlichen Strukturen Taiwans zu unterwandern – durch Desinformation, Spionage, wirtschaftlichen Druck und diplomatische Isolation. Die taiwanische Gesellschaft habe diese Gefahr erkannt und die Regierung reagiere mit verstärkten Sicherheitsgesetzen und Maßnahmen zur Erhöhung der gesellschaftlichen Resilienz.