Taipei – 6. Juni 2025. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping haben am 5. Juni erstmals seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wieder miteinander telefoniert. Laut chinesischem Staatssender CCTV sprach man über eine breite Themenpalette: gegenseitige Zölle, den Export Seltener Erden, den chinesisch-amerikanischen Studentenaustausch sowie die laufenden Handelsgespräche. Trump kündigte an, bald nach China reisen zu wollen. Eine offizielle Bestätigung der Gesprächsinhalte durch das Weiße Haus steht allerdings noch aus.
Besondere Aufmerksamkeit erregte Xis Äußerung zur Taiwan-Frage. Laut CCTV forderte er von Washington einen „besonnenen Umgang“ mit dem Thema, um zu verhindern, dass „eine kleine Zahl separatistischer Kräfte“ eine gefährliche Konfrontation zwischen den USA und China auslöse. Xi rief zudem dazu auf, sich in den Genfer Gesprächen „realistisch“ zu verhalten und Maßnahmen gegen China zurückzunehmen. Die Aussagen Pekings sind dabei vor allem als Versuch zu deuten, Einfluss auf die künftige US-Politik gegenüber Taiwan zu nehmen.
In Taiwan selbst sorgte Xis Warnung für politische Unruhe. Die regierende Demokratische Fortschrittspartei (DPP) kritisierte Peking scharf: Die Abgeordnete Rosalia Wu (吳思瑤) sprach von einer systematischen Destabilisierungspolitik durch militärischen Druck und wirtschaftliche Drohungen. Ihr Parteikollege Lai Jui-lung (賴瑞隆) verwies auf Taiwans Bedeutung für die US-Sicherheitsstrategie im Pazifik – sowohl als militärischer Vorposten als auch als Glied globaler Hightech-Lieferketten.
Die oppositionelle Kuomintang zeigte sich hingegen vor allem über das außenpolitische Ungleichgewicht besorgt. Abgeordnete Chen Yu-jen (陳玉珍) kritisierte, dass Taiwan in Trumps offizieller Mitteilung mit keinem Wort erwähnt wurde, während Peking das Thema offensiv besetze. Sie warnte, dass Taiwan in der geopolitischen Rivalität zwischen Washington und Peking zunehmend an Einfluss verliere, und forderte von der Regierung eine aktivere internationale Diplomatie.
Taiwanische Wirtschaftsexperten werten das Gespräch als vorsichtige Annäherung, sehen aber wenig Raum für substanzielle Fortschritte. Der Ökonom Wu Da-jen Dachrahn Wu(吳大任) sprach von einem möglichen Signal zur Deeskalation, betonte aber die strukturellen Hindernisse in den Handelsbeziehungen. Darson Chiu (邱達生), Professor an der Tunghai-Universität, sieht in dem Gespräch vor allem den Versuch beider Seiten, strategische Positionen abzustecken und ihre jeweiligen Heimatmärkte zu beruhigen. Ein grundlegender Kurswechsel im Verhältnis zwischen den USA und China sei kaum zu erwarten.