Taipei – 13. Juni 2025. In Taiwan verlangsamt sich das Wachstum der Corona-Infektionszahlen. Dennoch steigt die Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle weiter an. In der vergangenen Woche wurden 166 neue schwere Erkrankungen und 25 Todesfälle registriert – jeweils Höchstwerte für dieses Jahr. Besonders betroffen sind Patienten ab 50 Jahren. Vor diesem Hintergrund fordern einige Experten, die Altersgrenze für die Einstufung als Corona-Hochrisikogruppe von derzeit 65 auf 50 Jahre zu senken, um auch dieser Altersgruppe einen erleichterten Zugang zu kostenlosen antiviralen Medikamenten zu ermöglichen.
Das Krankheitskontrollamt sieht allerdings derzeit keinen akuten Handlungsbedarf. Sprecher Lo Yi-chun (羅一鈞) verwies darauf, dass rund 90 Prozent der schweren Verläufe in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen auf bestehende chronische Vorerkrankungen zurückzuführen seien. Diese Patienten erfüllten ohnehin bereits die Voraussetzungen für eine Behandlung mit antiviralen Medikamenten auf Staatskosten. Der bestehende Versorgungsrahmen sei daher ausreichend.
Statt einer Ausweitung der Medikamentenvergabe legt die Behörde den Schwerpunkt auf die Erhöhung der Impfquote. Internationale Studien zeigten, dass eine vollständige Impfung wirksamer vor schweren Verläufen schütze als eine antivirale Therapie. Besonders bei den 50- bis 64-Jährigen sei die Impfquote mit dem an die aktuelle Virusvariante JN.1 angepassten Impfstoff bisher jedoch sehr niedrig und liege nur bei 8,9 Prozent.
Lo betonte zudem, dass antivirale Medikamente für vollständig Geimpfte nach aktuellen Studien nur begrenzte zusätzliche Vorteile bieten. Für diese Altersgruppe bleibe daher die Impfung das zentrale Element der Schutzstrategie. Die Kriterien für die Vergabe antiviraler Medikamente werden dennoch regelmäßig durch Expertenkommissionen überprüft; zuletzt fand eine solche Sitzung im April statt.