Getöpferte und bemalte Figurine einer Dame, Tang-Dynastie (618–907), Höhe 75,5 cm, Breite 26,6 cm, © National Palace Museum
In der letzten Ausgabe vom „Kleinen Museumsbesuch“ haben wir uns die Symbolik am Bronzewassergefäß Yi angesehen. Heute beschäftigen wir uns mit einer Dame.
Diese 75,5 cm hohe Plastik ist während der Tang Dynastie entstanden und entspricht der damaligen Idealvorstellung von Frauen. Sie trugen ihre Haare zum Knoten gebundenen und lockere Kleidung, die den gesamten Körper verhüllte, um diesem einen runderen und der Haltung einen volleren Eindruck zu verleihen. Die Figur verkörpert so die weiblichen Ideale, die sich bis in die Zeit der Späten Tang und die Zeit der Fünf Dynastien von 907 bis 960 hielten: gesunde Robustheit und Selbstbewusstsein.
Schauen wir einmal ins warmherzige und elegante Gesicht der Dame. Sie hat schmale Augen unter geschwungenen Augenbrauen, eine kleine Nase und einen zierlichen Mund. Das runde Gesicht ist von den dunklen, auf dem Kopf zusammengebundenen Haaren gerahmt, die auf beiden Seiten nach vorne gekämmt sind.
Und das Gewand? Das reicht vom V-Ausschnitt am Hals bis zum Boden und lässt dort nur die Spitzen der Schuhe hervorschauen. Die Ärmel sind so lang, dass sie die Hände verstecken. Die fließende Materialität des Stoffes wird durch die einfachen Faltenlinien verstärkt. Sie sind ausgearbeitet wie die ungezwungenen Linien mit breitem Pinselduktus von chinesischen Gemälden. Der rechte Arm ist an die Brust gehoben, die linke Hand hängt lässig herunter.
Wir haben in den letzten Folgen bereits bemerkt, das eigentlich jedes Objekt über seinen dekorativen und künstlerischen Wert hinaus, auch eine Funktion hatte. Doch was war die Funktion der getöpferten Figurine? Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Grabfigur.
Die Tang Dynastie war in der chinesischen Geschichte eine sehr blühende Epoche. Der Wohlstand und die reiche Kultur beeinflusste auch die aufwendigen Bestattungsrituale - mit großen Mengen an Grabbeigaben, die später von Archäologen entdeckt wurden. Sie sollten den Reichtum der Familie des Verstorbenen verdeutlichen, aber auch für die Toten im Jenseits sorgen. Die Dame aus Keramik ist ein gutes Beispiel für solche Grabfiguren.
Sie zeigt in realistischem Stil der Tang-Kunst eine Verkörperung des natürlichen und idealen Aussehens der adligen Tang-Frauen, repräsentiert den Reichtum während der Tang-Dynastie, ist beispielhaft für den damaligen Keramik-“Trend“ und der aristokratischen Mode der damaligen Frauen.
Beim nächsten Mal schauen wir uns einen Lotusblattbecher an.

RTI Radio Taiwan International
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