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Folge 6 - Getrockneter Lotus

  • 27-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Jadebecher in Form eines Lotusblattes, Südliche Song-Dynastie bis Yuan-Dynastie (1127-1368). © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Jadebecher in Form eines Lotusblattes, Südliche Song-Dynastie bis Yuan-Dynastie (1127-1368), © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Jadebecher in Form eines Lotusblattes, Südliche Song-Dynastie bis Yuan-Dynastie (1127-1368), © National Palace Museum

Jadebecher in Form eines Lotusblattes, Südliche Song-Dynastie bis Yuan-Dynastie (1127-1368), Gesamthöhe: 9,5 cm, Länge: 15,2 cm, Breite: 6,0 cm, Gewicht: 225g, © National Palace Museum

 

Heute geht es wieder ins Nationale Palastmuseum in Taiwan. In unserer letzten Folge haben wir eine feine Dame aus der Tang-Dynastie kennengelernt. Diesmal machen wir einen Sprung in die Zeit der Südlichen Song-Dynastie bis in die Yuan-Dynastie von 1127 bis 1368 und nehmen einen Jadebecher unter die Lupe.

Der Jadebecher, um den es geht, hat die Form eines Lotusblattes. Die eigentlich gelblich-grüne Farbe der Jade hat sich nur stellenweise am Sockel erhalten, während der Becher selbst fast vollständig bräunlich-gelb erscheint und sogar vereinzelte grau-weiße Sprenkel und einen rotbraunen Ton aufweist, der den Linien einer Inschrift folgt. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Becher gefärbt wurde.

Die Form ist einem getrockneten Lotusblatt nachempfunden, das sich zusammenrollt. Die Ränder sind leicht eingekräuselt und an den Außenseiten treten die Adern des Blattes hervor bzw. hinein – denn sie sind im Negativ dargestellt, also in den Stein eingeritzt worden. Unter der Schale treffen sie sich in der Basis am Stiel des Blattes, der eine Rundung macht und sich an die Form der Schale anpasst. Er sieht nicht nur dekorativ aus, sondern erfüllt auch die Funktion eines Griffes.

Der Becher hat zusätzlich einen filigran geschnitzten Sockel aus rotem Sandelholz. Die mehrschichtige, durchbrochene Gestaltung ähnelt ebenfalls Lotuspflanzen und hebt die Schönheit des Bechers noch einmal deutlich hervor.

Der Nördliche Song-Gelehrte und Dichter Su Dongpo (蘇東坡, Sū Dōngpō – „Su vom Osthang“, 1036–1101) soll gesagt haben, das morgendliche Getränk sei gleichbedeutend mit dem Schmieren des Studiums. Damit spielte er auf einen Gelehrten an, der trotz mangelnder Anerkennung sein Studium fortsetzen muss. Auf einem Gemälde aus der Sammlung des Nationalen Palastmuseums von Chen Hongshou (陈洪绶, Chén Hóngshòu), der von 1599 bis 1652 während der Ming-Dynastie lebte, ist Su Dongpo übrigens dargestellt. Es zeugt den Dichter, wie er aus einem Jadebecher trinkt, der unserem Objekt ähnlich sieht. Wir sehen also, das vereinzelte Exponate des Palastmuseums sich auch miteinander verknüpfen lassen und einen Bezug zueinander haben, obwohl diese aus ganz unterschiedlichen Zeiten stammen. Darauf stoße ich immer wieder bei meinen Recherchen für dieses Format.

Nach diesem getrocknetem Lotusblattbecher, der trotz der dargestellten Vergänglichkeit unglaubliches Handwerk und Schönheit aufweist, kommen wir in der nächsten Folge zu einer handwerklich nicht weniger beeindruckenden Arbeit, bei der man ganz genau hinschauen muss.

Redaktion

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