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Folge 8 – Rubinrote Glasur

  • 29-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Rubinroter Porzellankrug mit Deckel in Form einer Mönchskappe, Ming-Dynastie, Regierungszeit Kaiser Xuande (1425–1435) © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Mänchskappenkrug

Rubinroter Porzellankrug mit Deckel in Form einer Mönchskappe, Ming-Dynastie, Regierungszeit Kaiser Xuande (1425–1435), Höhe: 19,2 cm, Mundlänge: 16,1 cm, Mundbreite: 11,2 cm, Durchmesser Basis: 7,6 cm, Tiefe: 16,6 cm, Gewicht: 880 g, © National Palace Museum

 

Bei unserem „Kleinen Museumsbesuch“ durch das Nationale Palastmuseum in Taiwan, nehmen wir uns jede Folge ein Exponat aus dessen umfangreicher Sammlung vor. In der letzten Folge ging es um filigrane Schnitzerei an einem Olivenstein. Das heutige Objekt ist wieder größer und aus einem anderen Material, das im chinesischen Kunsthandwerk eine wichtige Bedeutung hat.

Und zwar haben wir es heute mit einem rubinroten Porzellankrug zu tun, dessen Deckel der Form der Mönchskappen aus der Tang-Dynastie entspricht. Aufgrund dieser Form wird er auch „Mönchskappenkrug“ genannt. Der Krug wurde in der Ming-Dynastie zur Zeit des Kaisers Xuande (宣德) hergestellt. Er regierte von 1425 bis 1435. Damals gab es bereits Keramikmanufakturen, die Objekte von sehr hoher Qualität herstellen konnten. Die Kaiserfamilie der späteren Qing-Dynastie von 1644 bis 1911 hatte eine Vorliebe für diese Art von rubinrot glasierten Krügen. So befanden sie sich beispielsweise als Dekoration in den Schränken der inneren Gemächer der Konkubine des Kaisers Yongzheng (雍正, Yōngzhèng), der von 1678 bis 1735 lebte.

Sein Sohn, Kaiser Qianlong (乾隆,Qiánlóng), der von 1711 bis 1799 lebte, ließ an unserem „Mönchskappenkrug“ poetische Verse auf der Unterseite und auf einem speziell angefertigten Podest eingravieren. Sie lobpreisen die Schönheit des Kruges. Qianlong ließ außerdem die am Hof befindlichen Objekte als Modell für Imitationen verwenden, was die Wertschätzung dieser Stücke noch einmal verdeutlicht.

Besonders ins Auge sticht beim Krug die Farbigkeit: ein tiefes Rot. Einen solchen Farbton konnte man erstmals unter der Regierungszeit von Kaiser Yongle (永樂, Yǒnglè) der Ming-Dynastie brennen, die von 1402 bis 1424 andauerte. Yongle war übrigens auch derjenige Kaiser, der 1406 den Bau der Verbotenen Stadt in Peking initiierte. Unter seinem Nachfolger Kaiser Xuande, in dessen Regierungszeit ja auch die Herstellung unseres Kruges fällt, wurden die Glasuren dicker und satter. Man erreichte die Brennung eines saftigen „Rubinrots‘‘ – auch diese Bezeichnung wurde in dieser Zeit geprägt.

Da die Glasur beim Brennen langsam herunterfließt, ist sie am Mundstück, am Griff und an den unteren Rändern des Kruges dünner und lassen dort das weiße Porzellan durchscheinen. Diese Besonderheit wird auch nach einem chinesischen Heilkraut als „Binsenmark-Rand“ bezeichnet. Die dicke rote Glasur wird dadurch noch hervorgehoben. Nicht häufig war die Herstellung des rubinroten Porzellans jedoch von Erfolg gekrönt, da es schwierig zu brennen war. Daher gibt es heute nur wenige solcher Exponate. 

Auch in späteren Folgen werden wir uns wieder mit Porzellan beschäftigen, doch in der nächsten Folge geht es zunächst in einen ganz anderen Bereich: in die Schriftensammlung.

Redaktion

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