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Folge 9 – „So hab ich’s gehört“ – das tibetische Drachen-Sutra

  • 30-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Das tibetische „Drachen-Sutra“ / Tripitaka auf Tibetisch, Qing-Dynastie (1644-1911) © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Das tibetische „Drachen-Sutra“ / Tripitaka auf Tibetisch, Qing-Dynastie © National Palace Museum

Das tibetische „Drachen-Sutra“ / Tripitaka auf Tibetisch, Qing-Dynastie (1644-1911), Regierungszeit Kaiser Kangxi (1662–1722), 33 x 87,5 cm (Satzhöhen variieren), © National Palace Museum 

 

Nachdem uns der „Kleine Museumsbesuch“ in der letzten Folge zu rubinrotem Porzellan geführt hat, erhalten wir heute einen kleinen Einblick in buddhistische Schriften.

Der Buddhismus ist nicht nur eine der großen Weltreligionen, sondern blickt auch auf über 2000 Jahre Geschichte zurück. Buddhistische Schriften wurden ins Tibetische und in Mandschu übersetzt und bewahren so auch die Geschichte und die Sprache dieser Menschen. Aus ihnen können wir auch heute noch viel über die östliche Kultur erfahren.

Die buddhistischen Schriften nennt man Sutras, eine Zusammenstellung mehrerer Sutras Tripitaka. Das Tripitaka – auf Chinesisch übrigens 大藏經 (Dàzàng jīng), große Schriftensammlung, – enthält neben dem Lehren und Regeln von Sakyamuni Buddha – so wird der „historische Buddha“ Siddharta Gautama genannt – auch Kommentare von späteren Autoren. Da es zu Lebzeiten Buddhas in Indien nicht üblich war, Texte zu verschriftlichen, wurden seine Lehren meist auswendig gelernt und mündlich weitergegeben. Daher beginnen viele Sutras mit den Worten „So hab ich’s gehört“. Aus diesen mündlich verbreiteten Lehren entwickelte sich das Tripitaka, das zu einem Standardwerk des buddhistischen Glaubens und dementsprechend im Laufe der Verbreitung des Buddhismus in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, unter anderem auf Chinesisch, Tibetisch und Mandschu.

In der Sammlung des Nationalen Palastmuseums in Taiwan gibt es ein Tripitaka das auch „Drachen-Sutra“ genannt wird. Der Name kommt daher, weil es aus kaiserlicher Produktion stammt, denn der Drache war das kaiserliche Machtsymbol. Xiaozhuang, die Großmutter des Kaisers Kangxi (康熙, Kāngxī), der zweite Kaiser aus der Qing-Dynastie, initiierte das Projekt, aus dem die älteste und am besten erhaltene chinesische Palastausgabe des tibetisch-buddhistischen Kanons resultierte. Man begann den „Kanjur“-Abschnitt des „Tibetischen Tripitaka“ abzuschreiben, das Buddhas Worte enthält. Nur zwei Jahre dauerte diese Abschrift, kostete jedoch einen hohen personellen und materiellen Aufwand.

Das Tripitaka besteht aus insgesamt 108 Sätzen, jeder Satz wiederum aus zwischen 300 und 500 kobaltblauen, beidseitig mit goldener Schrift beschriebenen Papieren mit jeweils 8 Zeilen. Die Sätze liest man übrigens von links nach rechts. Wir sprechen hier also von etwa hunderttausend Textpapieren! Die 108 Sätze wiederum sind von je zwei Holzplatten oben und unten und vier Lagen kaiserlich gelbem Stoff geschützt.

Wie teuer und luxuriös dieses Tripitaka ist, sieht man nicht nur am immensen Umfang, sondern auch an der Schrift selbst. Sie besteht aus fein gemahlenem Blattgold mit zugesetztem Klebstoff. Die einzelnen Arbeitsschritte waren handwerklich äußerst komplex. Jedes einzelne Papier aus dickem Reispapier wurde gefärbt, kalandriert - also die Papieroberfläche wurde behandelt - und in weiteren Arbeitsschritten bearbeitet.

Die schützenden Holzplatten sind ebenfalls dekoriert. 756 tibetisch-buddhistische Götterembleme zieren diese und auch hier wurden wertvolle Materialien verarbeitet: Man sieht Buddhas in vergoldeten Schreinen, Perlen, Türkis und andere Juwelen, sowie fünffarbige Seidenfäden.

Wir sehen, dass für diese religiöse Schrift vom kaiserlichen Hof keine Kosten und Mühen gespart wurden, um ein wirklich umfangreiches und teures Projekt umzusetzen. In der nächsten Folge bleiben wir am Hof der Qing-Dynastie. Sie können sich auf das wohl bekannteste Objekt des Palastmuseums freuen.

Redaktion

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