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Folge 14 - Die Ru-Ware der Song Dynastie

  • 04-02-2023
Kleiner Museumsbesuch
Wärmeschale mit Celadonglasur, Ru-Ware, Nördliche Song Dynastie, 960 – 1137 © National Palace Museum

Wärmeschale mit Celadonglasur, Ru-Ware, Nördliche Song Dynastie, 960 – 1137, Höhe 10,3 cm, Durchmesser: 16 x 14,6 cm, Copyright © National Palace Museum

 

Wie immer in unserer Serie „Kleiner Museumsbesuch“ schauen wir uns heute ein Objekt aus dem Nationalen Palastmuseum Taiwan an. In der letzten Folge hörten Sie wieder etwas über ein handwerklich einmaliges Exponat aus Bronze. Heute widmen wir uns einem wertvollen und besonderen Porzellan. 

Es geht heute um eine Wärmeschale, die unter der Nördlichen Song-Dynastie geformt wurde. Wir befinden uns hier in der Zeit zwischen 960-1127. Die Wandung der Schale ist aus gleichmäßigen Rundungen geformt, die eine Blume bilden. Insgesamt ist das Gefäß mit einer glatten Celadon Glasur von bläulich-grüner Pastellfarbe überzogen. Die Oberfläche weist vollständig braun gefärbte Craquelés auf. Das sind hauchfeine Risse, wie man sie zum Beispiel auch von alten Ölgemälden kennt. 

Ähnliche Exemplare wie dieses wurden übrigens an der Ofenstelle im Qingliang-Tempel im Landkreis Baofeng (寶豐縣, Bǎofēng Xiàn) der Provinz Henan (河南, Hénán) ausgegraben. In Brennöfen sowohl in Nord- als auch in Südchina wurden lotusförmige Wärmeschalen hergestellt. Auch unter koreanischen Goryeo-Celadon-Waren fand man sie. 

Es gab für solche Objekte zwei Brandarten: auf Spornen für vollverglaste Gefäße oder auf Untersetzern. Der Ru-Brennofen (窑窯, Rǔ yáo) war ein sogenannter „staatlicher“ Brennofen für Keramik und gehörte zu den fünf berühmten Brennöfen der Song-Dynastie. Typisch ist, dass der Rohling von einer Farbe, die an Räucherstäbchenasche erinnert, mit der Enteneigrünen Glasur überzogen und kurz gebrannt wird. Ru-Ware weist eine hohe Qualität auf. Der Ru-Brennofen produzierte um 1100 und nur für kurze Zeit, da die Produktion während der Invasion der Jin eingestellt wurde. Weniger als 100 vollständige Objekte haben die Zeit überdauert. 

Wärmeschalen waren in der Song-Dynastie für den täglichen Gebrauch gedacht. Wandmalereien in Gräbern der Liao-Dynastie und Gemälde zeigen die Nutzung dieser. 

Die Waren wurden vom kaiserlichen Hof in Auftrag gegeben und waren ausschließlich diesem vorbehalten. Ware, die abgelehnt wurde, wurde an Beamte, Tempel und ausländische Herrscher verschenkt oder verkauft. Ru-Ware blieb auch nach dem Sturz der Song-Dynastie begehrt. 

Im Jahr 2017 erzielte zum Beispiel eine 13 cm große Spülschüssel bei Sotheby's Hongkong die Rekordsumme von 294,3 Millionen HK$, was umgerechnet fast 38 Millionen US-Dollar waren. Vielleicht erinnern Sie sich an die ebenfalls von Sotheby's versteigerte Hühnertasse aus Folge 11. Ihr Preis wurde damit noch einmal überboten. 

Chinesische Keramik scheint also nach wie vor, auch oder gerade nach fast 1000 Jahren, äußerst beliebt zu sein. Ein weiteres wertvolles Objekt schauen wir uns in der nächsten Folge an. Freuen Sie sich in Folge 15 auf meisterliche Schnitzkunst.

Redaktion

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