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Folge 15 - Das Werk himmlischer Wesen

  • 05-02-2023
Kleiner Museumsbesuch
Mehrschichtige Elfenbeinkugel, verziert mit Figuren und Gartendekor, Qing-Dynastie (19. Jahrhundert), Copyright © National Palace Museum

Mehrschichtige Elfenbeinkugel, verziert mit Figuren und Gartendekor, Qing-Dynastie (19. Jahrhundert), Copyright © National Palace Museum  

 

In unserer heutigen Folge aus der Serie „Kleiner Mueumsbesuch“ stellt Anna Bittner Ihnen wieder ein Exponat aus der Sammlung des Nationalen Palastmuseums vor. Diesmal machen wir von der Song-Dynastie aus der letzten Folge einen großen Sprung ins 19. Jahrhundert der Qing-Dynastie. 

Es geht heute um eine der von den Besucher*innen des Palastmuseums vielfach bewunderten mehrschichtigen Elfenbeinkugeln. Das Set beweglicher, durchbrochener Elfenbeinkugeln, die in konzentrischen Kreisen ineinander verschachtelt sind, besteht aus vier Hauptteilen: einem Drachenfischhaken, zwei in die Runde geschnitzte Hofdamen, einem Satz Kugeln und einem Anhänger, der die himmlischen Zwillinge der ehelichen Glückseligkeit darstellen soll. Zwischen den einzelnen Teilen gibt es eine lange Gliederkette, die die jeweiligen Teile mit kleinen, runden Kugeln und Schraubgewinden miteinander verbindet. 

Das Highlight des Stückes bilden auf jeden Fall die Kugeln. Sage und schreibe 18 verschiedene Kugeln hat man hier insgesamt gezählt und sie sind alle beweglich! Auf der äußeren Seite sind Berg- und Wasserlandschaften, Pavillons und Figuren im Hochrelief ausgeführt. Die Innenseite weist durchbrochene Bildmuster auf. 

Aufgrund der Schnitztechnik und des Stils geht man davon aus, dass das Exponat von den Guangdong-Elfenbeinschnitzern aus der zweiten Hälfte der Qing-Ära hergestellt wurde. In dieser Zeit nannte man sie in Peking aufgrund der präzisen und beeindruckenden Ausführung „das Werk himmlischer Wesen“. Die Fähigkeiten, mit denen die Kugeln geschnitzt wurden, überstiegen an der Hof-Werkstatt des Kaisers schlicht die menschliche Vorstellungskraft.

Die Handwerker führten untereinander eine Art Wettbewerb, wem die anspruchsvolleren, raffinierteren Arbeiten gelingen würden. Die Elfenbeinkugeln sind so virtuos gearbeitet, dass sie aus einem einzigen Stück Elfenbein geschnitzt sind. In die Oberfläche bohrte der Kunsthandwerker 14 Löcher bis in die Mitte der Kugel. Jede Kugel hat denselben Mittelpunkt und kann frei für sich rotieren. Jede Schicht ist mit Mustern übersäht und mit feinsten Figuren und Formen dekoriert – eine wahnsinnige Meisterleistung und Virtuosität.

Doch zum Schluss möchte ich noch kurz etwas zu Elfenbein sagen. Während wir die Schönheit und Handwerkskunst der Exponate aus Elfenbein bewundern, sollten wir nicht die Tiere vergessen, von deren Hörnern dieses Material stammt. Die hohe Nachfrage an Elefantenstoßzähnen und Nashorn-Hörnern hat bereits zu starken Verlusten bis hin zur Ausrottung bestimmter Tierarten geführt. Immer wieder ignorieren Wilderer den Artenschutz, um Profit aus den getöteten Tieren zu schlagen. Objekte aus Elfenbein, wie jenes, welches wir uns heute ansehen, gehören also ausschließlich ins Museum und niemals als Trophäe oder Ähnliches in irgendein Wohnzimmer. Zurecht ist nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen der Vereinten Nationen der Handel mit Elfenbein nur eingeschränkt möglich. Gehandelt werden darf ausschließlich mit Antiquitäten, die vor 1947 hergestellt wurden, niemals mit Neuware, damit dieses ausbeuterische Geschäft nicht weiter praktiziert wird.

Mit diesen nachdenklichen Worten endet unsere 15. Folge des „Kleinen Museumsbesuchs“. In der nächsten Folge wird es um ein prunkvoll gestaltetes Tier aus Bronze gehen, das einst als Weingefäß diente.

 

Redaktion

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