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Folge 4 – Durstiges Tier

  • 25-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Bronzewassergefäß Yi mit Füßen in Form menschlicher Figuren und Griff in Tiergestalt, Späte Westliche Zhou-Dynastie © National Palace Museum

Bronzewassergefäß Yi mit Füßen in Form menschlicher Figuren und Griff in Tiergestalt, Späte Westliche Zhou-Dynastie (ca. 9. Jahrhundert bis 771 v. Chr.), © National Palace Museum

 

Heute widmen wir uns erneut einem Objekt aus Bronze. Doch bevor ich dazu komme, möchte gibt es einen kurzen Exkurs zur chinesischen Bronzezeit, die uns hier noch das ein oder andere Mal begegnen wird.

Die Bronzezeit Chinas begann in der späten Xia-Dynastie (ca. Anfang des 17. Jahrhunderts v. Chr.). Sie überdauerte etwa 1.500 Jahre und durchlief dabei mehrere Dynastien von Shang bis West-Zhou und Ost-Zhou. Auch als später in der Qin- und Han Dynastie das Eisen aufkam, wurden Bronzen weiterhin verwendet. 

Dies war jedoch nicht allen möglich, denn nur die herrschende Klasse durfte die kostbaren Bronzegefäße in Auftrag geben und benutzen. Die beiden Hauptangelegenheiten des Staates waren Anbetung und Kriegsführung. Neben der Nutzung von Bronze für Waffen, wurden daher hauptsächlich rituelle Gegenstände aus dem Material hergestellt. Die Objekte wurden zum Beispiel genutzt, um den Vorfahren Opfer für ihren Segen einer ewigen Linie darzubringen. Darüber hinaus zeigt die Anordnung und Menge der bei einer bestimmten Zeremonie ausgestellten Bronzen den spezifischen sozialen Status und die Position des Gastgebers. Bronzen waren daher die wichtigsten Ritualgegenstände in den aristokratischen Shang und Zhou, von ca. 1600-220 v. u. Z.).

Doch kommen wir zurück zu unserem heutigen Exponat. Dabei handelt es sich um das Bronzewassergefäß Yi. Das antike Gefäß hat etwa die Form einer Sauciere mit einem Griff und vier Füßen und wurde zum Gießen von Wasser für rituelle Handwaschungen verwendet. Wer wusch sich damit die Hände? Die alten Könige und Aristokraten! Sie nahmen an den Ritualen des Händewaschens teil, um ihren Respekt vor Opferritualen oder Banketten zeremoniell zum Ausdruck zu bringen.

Es ist also ein sehr wichtiges Objekt, so dass auch die Gestaltung sehr wichtig war. Das Gefäß ist auf vier Füßen angebracht, die eine menschliche Form haben. Die nackten Figuren haben jeweils die Arme gefaltet. Sie wirken wie Diener oder Sklaven, die auf den nächsten Befehl warten. Füße in Form von menschlichen Figuren waren häufig in der Zeit der Späten Westlichen Zhou und in der Zeit der Streitenden Reiche, also von 476 bis 221 v. Chr., aber ebenso in der Zeit der Westlichen Han-Dynastie von 207 v. bis 9 n. Chr. Diese Zeiten waren ständig von Kriegen durchsetzt. Es kam zu zahlreichen Kriegsgefangenen, die wiederum den militärischen Erfolg verbildlichten. Die Figuren sind hier als symbolisch gedacht und verweisen wahrscheinlich auf die siegreiche Rückkehr. Die Leistungen sollten während der Rituale den Vorfahren mitgeteilt werden.

Doch die vier Figurinen sind nicht die einzigen, die die Gestaltung dieses Objekts ausmachen. Besonders ist auch ein Tierkörper, der als Griff dient (鋬pan). Die vierbeinige Kreatur mit gehörntem Kopf hängt über den Rand des Beckens, als würde sie trinken wollen. Die Verwendung eines solchen verspielten Details als Griff des Gefäßes verweist auf dessen Funktion als „Wassergerät“. 

Hinter dieser besonderen und lebendigen Bildsprache versteckt sich also wieder einmal eine Bedeutung. Wir lernen also das dekorative Elemente meist eine Symbolik haben oder eine Geschichte erzählen.

In der nächsten Folge werden uns eine elegante Dame aus der Tang-Dynastie ansehen.

 

Redaktion

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