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Folge 7 – Meisterliche Handwerkskunst im Miniaturformat

  • 28-01-2023
Kleiner Museumsbesuch
Chen Zuzhang, Ganlan Olivenstein-Miniaturboot mit der Ode an die rote Klippe, die auf der Unterseite geschnitzt ist. © National Palace Museum
Kleiner Museumsbesuch
Chen Zuzhang, Ganlan Olivenstein-Miniaturboot mit der Ode an die rote Klippe, die auf der Unterseite geschnitzt ist, © National Palace Museum

Chen Zuzhang, Ganlan Olivenstein-Miniaturboot mit der Ode an die rote Klippe, die auf der Unterseite geschnitzt ist, Qing-Dynastie (1644-1911), Breite: 1,4 cm, Länge: 3,4 cm, Höhe: 1,6 cm, © National Palace Museum

 

Bei unserem „Kleinen Museumsbesuch“, sehen wir uns Stück für Stück einige der Highlights aus dem Nationalen Palastmuseum in Taiwan an. In der letzten Folge ging es um einen Jadebecher in Form eines getrockneten Lotus. Die Objekte werden kleiner und filigraner, sodass wir heute sogar die Lupe nehmen müssen, um alle Details erkennen zu können. Denn in der siebten Folge geht es um einen Olivenkern.

Man fragt sich, was ein einfacher Olivenkern in einem Museum zu suchen hat, doch hierbei handelt es sich um ein besonderes Exemplar. Aus ihm schnitzte Chen Zuzhang (陳祖章, Chén Zǔzhāng) nämlich ein Miniaturboot. Chen Zuzhang war ein berühmter Zahnmacher des Qing-Palastes. Die Qing-Dynastie dauerte von 1644 bis 1911. Das Boot wurde im Jahr 1737, dem zweiten Jahr der Regierungszeit Qianlongs (乾隆,Qiánlóng) hergestellt.

Chen Zuzhang stammte ursprünglich aus Guandong (廣東省, Guǎngdōng Shěng) und arbeitete bereits unter der Herrschaft von Yongzheng (雍正,Yōngzhèng) im kaiserlichen Manufakturbüro, die von 1723 bis 1735 andauerte. Aus dem Olivenkern – wir sprechen hier von wenigen Zentimetern – schnitzte er ein Boot. Die Form des Kernes bestimmt auch die Form des Endprodukts. Das von einem winzigen Bambusgeflecht-Baldachin gedeckte Boot hat auf beiden Seiten der Kabine Schiebefenster, die sogar geöffnet und geschlossen werden können. An Bord sind insgesamt acht Bootsmänner, Knaben und Passagiere. Jede Figur ist individuell und ausdruckstark gestaltet.

Auf dem Boden des Bootes gibt es eine weitere Entdeckung, die uns in Staunen versetzt, denn hier sind mehr als 300 Zeichen eingraviert. Es handelt sich um den gesamten Text von Su Tungpos (蘇東坡, Sū Dōngpō) „Ehemalige Ode an die Rote Klippe“ – ein literarischer Klassiker aus dem Jahr 1082, der in poetischer Prosa geschrieben ist, auch Fu (賦,  fù – „Ode“) genannt. Er handelt von einer Bootsfahrt des Autors mit seinen Freunden auf dem Jangtsekiang durch die Roten Klippen, seiner Erinnerung an die heldenhaften Abenteuer des Kriegsherrn Cao Cao (曹操,Cáo Cāo) und die Bedeutungslosigkeit der Menschen im Vergleich zum Fluss und zum Universum.

Es ist beeindruckend, wie es Chen Zuzhang gelingt, den Text des Dichters, dem wir ja auch schon in unserer letzten Folge begegnet sind, auf der Unterseite des Kerns zu zitieren. Dieser Beweis der meisterlichen Handwerkskunst diente ihm auch als Ausgangspunkt für das filigran geschnitzte Werk, den er in eine skulpturale Form brachte. Es ist als würde Su Tungpo selbst am kleinen Fenster des Miniaturbootes bei der nächtlichen Bootsfahrt sitzen: „Ein Schilf ist wie ein Baum und ein riesiges Land ist in Verlegenheit.“

Mit diesem poetischen Werk und der meisterlichen Schnitzkunst von Chen Zuzhang sind wir am Ende der Folge angekommen. Ich freue mich, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder mit an Bord sind. Dann geht es von der Roten Klippe zu einem roten Porzellankrug.

Redaktion

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