Wassergefäß mit eingerolltem Drachenmuster, Späte Shang-Dynastie (ca. 13.–11. Jahrhundert v. Chr.), Copyright © National Palace Museum
In der heutigen 13. Folge des „Kleinen Museumsbesuchs“ nimmt Anna Bittner Sie wieder mit ins Nationale Palastmuseum in Taiwan. In der letzten Folge haben wir uns die Nymphe des Luo Flusses angesehen, heute treffen wir mal wieder auf einen Drachen und auf Bronze.
Wir haben bereits in früheren Folgen erfahren, dass Bronzegefäße während der Shang- und Zhou-Dynastien vor allem für Zeremonien hergestellt wurden und die Adligen an rituellen Händewaschungen aus Respektbezeugung teilnahmen. Dabei wurde das Wasser aus dem bronzenen Behältnis in ein ebenfalls bronzenes Becken gegossen. Während der Shang-Dynastie waren das meist breite, eher flache Waschbecken, bei denen die Bodenplatte von einem hohen Kupferringfuß gehalten wurde.
Wir schauen uns heute ein besonderes Exemplar solcher Waschbecken an. In der Mitte des Beckens ist ein großer Drachenkopf zu erkennen. Seine großen runden Augen stehen deutlich aus der Fläche hervor. Auch Augenbrauen, Ohren und Hörner sind in das Hochrelief eingebunden. Spiralenförmig eingerollt füllt der Drachenkörper den Boden des Gefäßes aus.
Gießt man Wasser in das Becken, sieht es fast so aus, als würde der Drache aus dem Wasser springen. Schwärme von Fischen, Vögeln und Drachen auf der Innenseite umgeben ihn dabei. Auffällig ist hier das Muster des Kui-Drachen. Der Kui-Drache ist die häufigste Form von Drachendekoren an chinesischen Ritualbronzen. Sein Charakteristikum ist sein einzelnes Bein.
Aufgrund des reichen und kunstvollen Dekors des Gefäßes mit eingerolltem Drachen kann man darauf schließen, dass es vermutlich einem hochrangigen Mitglied des Adels gehörte. Neben der künstlerisch einfallsreichen Ausschmückung des Wasserbeckens und seiner handwerklichen Qualität, ist vor allem noch seine Größe erwähnenswert. Ich selbst war überrascht, als ich im Museum vor dem Exponat stand und dachte anhand der Bilder, die ich vorher gesehen hatte, dass es viel kleiner sei. Der Durchmesser beträgt nämlich 43 cm. Damit ist das Becken größer als andere, vergleichbare Gefäße, die man aus dieser Zeit gefunden hat.
Wenn Sie den eingerollten Drachen spannend fanden, können Sie sich auch auf die kommende Folge freuen, in welcher wir uns mit schlichtem, aber schönem Porzellan beschäftigen.

RTI Radio Taiwan International
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