Taipei – 26. Juni 2018 – Den Dialog des Vatikan und Chinas werde man in Ruhe und rational verfolgen, sagte Präsident in Tsai Ing-wen in einem gestern von der Nachrichtenagentur AFP veröffentlichten Interview.
Der Vatikan ist der einzige diplomatische Verbündete Taiwans in Europa. Angesichts einer möglichen Annäherung beider Seiten und der verstärkten Abwerbungsversuche Chinas von diplomatischen Verbündeten Taiwans kann auch ein Abbruch der Beziehungen nicht ausgeschlossen werden.
Tsai sagte, dass man die Gespräche aufmerksam verfolge, wie auch andere Länder beobachteten, wie China Religionsfreiheit und dessen Schutz umsetze und in welchem Maße China religiösen Diskurs zulasse. Sie erhoffe sich eine Äußerung über Chinas Haltung zur Religionsfreiheit.
Zur Frage, ob die Vorteile einer engeren Beziehung mit den USA die Nachteile von Pekings Gegenmaßnahmen aufwiegen würden sagte sie, dass die Freundschaft zwischen Taiwan und den USA und anderen Ländern auf geteilten gemeinsamen Werten wie Demokratie, Freiheit und Menschenrechten beruhten. Sollte China gleiche Werte teilen wollen, würde Taiwan dies aus vollem Herzen begrüßen.
Zur von China verfolgten „Belt and Road Initiative“ (BRI), einem umfangreichen Investitionsprogramm Pekings in Übersee befragt, sagte sie, dass es auf China ankomme, ob dies ein gutes oder schlechtes Projekt sei. Sollte es die Entwicklung der Länder unterstützen, wäre es positiv. Sollte Peking dahinter aber Absichten einer Machtausweitung verstecken oder sogar Einfluss auf die inneren Angelegenheiten eines Landes nehmen, dürfte dies keine Zustimmung finden. Das BRI-Projekt stehe aber noch in einer frühen Entwicklungsstufe, eine Reihe von Ländern beginnen sich aber bereits verunsichert und unwohl zu fühlen, teilweise würden die Absichten Chinas in Frage gestellt.
Präsidentin Tsai hatte in dem Interview die expansionistischen Bestrebungen Chinas in der Region nicht nur als Gefahr für die Demokratie in Taiwan sondern als globale Bedrohung der Demokratie bezeichnet. Sie rief alle freiheitlich-demokratisch orientierten Ländern zu engerem Zusammenhalt und stärkeren Einsatz zum Erhalt der Demokratie auf.