Nationalfeiertagsansprache am 10.10.2020 von Präsidentin Tsai Ing-wen
übersetzt von Günter Whittome
Sehr geehrter Herr Parlamentspräsident Yu Shyi-kun, verehrte anwesende Gäste, liebe Bürgerinnen und Bürger vor den Fernsehern und im Internet: Guten Morgen, ich begrüße Sie!
I. Erfolge im Kampf gegen die Pandemie und unser Beitrag zur internationalen Gemeinschaft
Heute ist der Nationalfeiertag im 109. Jahr der Republik China, der dieses Jahr aufgrund der Epidemie in kleinerem Rahmen begangen wird. Doch alle Bürgerinnen und Bürger, wo immer sie sich auch befinden, beglückwünschen die Republik China in Taiwan aus tiefstem Herzen, weil wir dieses Jahr voller Herausforderungen bewältigt haben.
Dieses Jahr 2020 stand unter der Bedrohung durch den neuartigen Coronavirus und war für Taiwan und die ganze Welt ein äußerst stürmisches Jahr. Doch gerade angesichts dieser globalen Krise bot sich der internationalen Gemeinschaft die Gelegenheit, den besonderen Charakter und das Durchhaltevermögen dieser widerstandsfähigen Insel namens Taiwan zu erkennen.
Es gab bei uns keine Lockdowns, wir haben keine Schulen geschlossen und wir waren eines der wenigen Länder weltweit, die trotz Umsetzung von Kontrollmaßnahmen noch Baseball-turniere und große Kulturveranstaltungen durchführen konnten. Wir haben darüberhinaus das internationale Gewicht unseres Landes unter Beweis gestellt, was uns stolz macht. Wir haben Ressourcen zum Kampf gegen die Pandemie in alle Welt verschickt.
Seit März dieses Jahres sind in den internationalen Medien mehr als 3300 Berichte erschie-nen, die Taiwans Leistung im Kampf gegen die Pandemie zum Thema haben. Taiwan wird auf internationaler Ebene immer deutlicher sichtbar und glänzt mehr als je zuvor.
Dieser Erfolg war nur möglich dank des Zusammenhalts und der gemeinsamen Anstreng-ungen der gesamten taiwanesischen Bevölkerung. Außer dem am härtesten arbeitenden medizinischen Personal und dem Personal zur Epidemiebekämpfung müssen wir auch dem produzierenden Gewerbe danken, das sich gemeinsam mit allen anderen in der Produktion der benötigten Ressourcen engagiert hat. Hierzu zählen auch die Technologieunternehmen, die Apps entwickelt haben, die Apotheken und die Beschäftigten in den 24-Stunden-Märkten, die für die Ausgabe der Gesichtsmasken sorgten sowie die Bürgerinnen und Bürger, die in geordneter Weise den Maßnahmen zur Epidemiebekämpfung nachkamen.
Wir haben auch gesehen, wie sich unsere aus dem Ausland zurückkehrenden Landsleute wie gefordert in häusliche Quarantäne begeben haben. Die Tourismusbranche hat Quarantäne-hotels zur Verfügung gestellt, die Taxiunternehmen haben Fahrzeuge für den Transport von in Quarantäne gehende Fahrgäste bereitgestellt und die Gastronomie und Unterhaltungsbetriebe haben die Vorgaben zur Identifikation von Gästen umgesetzt. Weil sich das ganze Land auf allen Ebenen hier einig war, haben wir die Epidemie unter Kontrolle halten können, was Taiwan eine weltweite Vorbildfunktion eingebracht hat.
Als der frühere japanische Premierminister Yoshirō Mori, der tschechische Senatspräsident Miloš Vystrčil, der amerikanische Gesundheitsminister Alex Azar und der stellvertretende US-Außenminister Keith Krach zu Besuch kamen und Taiwan ihren Respekt ausdrückten, haben sich sicher viele unserer Bürgerinnen und Bürger sehr gefreut.
Durch das Bewältigen der Herausforderungen in der Epidemiebekämpfung haben wir unter Beweis gestellt, dass unser Land auch unter widrigen Bedingungen bestehen kann und es hat das Selbstvertrauen unserer Bürgerinnen und Bürger gestärkt. Noch wichtiger ist, dass wir solidarisch waren, da wir uns tief in unseren Herzen der Bedeutung bewusst waren, unsere Heimat zu schützen. Deshalb war dieses Jahr in der Tat ein anstrengendes und schwieriges Jahr für uns, aber auch ein Jahr, in dem wir große Leistungen erbracht haben.
Zu unserer heutigen Feier haben wir daher die Heldinnen und Helden der Epidemie-bekämpfung aus allen Bereichen unserer Gesellschaft eingeladen, für uns die Nationalhymne zu singen. Damit sind viele uns vertraute Geschichten verbunden, wie beispielsweise der Pflegerin Lai Pi-Lien, die stolz die Druckspuren von den Gesichtsmasken trägt oder der Pflegerin CHANG Wan-Erh, die ohne ihre Familie davon in Kenntnis zu setzen, ein an Leukämie erkranktes Kind nach Taiwan zurückbegleitete, eine Geschichte, die viele stark berührt hat.
Es gibt noch viele andere nicht namentlich genannte Heldinnen und Helden, über die nicht berichtet wurde. Es waren einfach so viele Menschen, die sich in diesem Kampf engagiert haben, so viele Geschichten, die wir nicht alle zu Ende erzählen können. Ich möchte daher alle hier Anwesenden bitten, mit Ihrem begeisterten Applaus noch einmal unseren Heldinnen und Helden der Epidemiebekämpfung unseren tief empfundenen Dank auszusprechen. Wir danken ihnen für das, was sie für Taiwan geleistet haben.
II. Wirtschaftsstrategie unter veränderten Bedingungen
Da wir die Pandemie gut unter Kontrolle haben, ist Taiwan eines der wenigen Länder weltweit, das sein Wirtschaftswachstum aufrechterhalten konnte und wir sind daher gut aufgestellt für die Wirtschaftsentwicklung nach Ende der Pandemie. Das Programm für die „Sechs wichtigsten strategischen Branchen“ wird gerade aktiv geplant und energisch voran-getrieben. Für das Zukunftsprogramm für die Infrastruktur sind schon Sonderbudgets für die verschiedenen Phasen eingeplant und das Programm wird nun beschleunigt umgesetzt.
Was uns am meisten freut, ist, dass das Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung Taiwans bei unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie bei den Unternehmen gestiegen ist. Der seit langem bestehende Kapitalabfluss aus Taiwan hat sich umgekehrt.
Wir erleben einen Kapitalrückfluss nach Taiwan, wie wir ihn schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Taiwanesische Geschäftsleute kehren nach Taiwan zurück, um hier zu investieren mit einer Summe, die schon mehr als eine Billion Taiwan-Dollar [Stand 02/22: ca. 32 Mrd. €] übersteigt, außerdem werden derzeit Hunderte Milliarden Taiwan-Dollar an Auslandsgeldern nach und nach zurück nach Taiwan transferiert. Viele ausländische und renommierte multinationale Unternehmen verstärken ihre Investitionen in Taiwan. All dies findet gerade statt.
Auch bei der internationalen Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel haben wir konkrete Fortschritte erzielt. Taiwan und die USA werden auf hoher Ebene einen Dialog zu Wirt-schaftsfragen führen und zu den Fragen der Umstrukturierung der globalen Lieferketten, der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie und bei der Infrastruktur Möglichkeiten der künftigen Zusammenarbeit suchen.
In der vergangenen Woche haben Taiwan und die USA bekanntgegeben, dass sie die „Rahmenvereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen Taiwan und den USA zur Finanzierung von Infrastruktur und zur Markterschließung“ unterzeichnet haben, wonach beide Seiten sich gemeinsam bei Infrastrukturprojekten auf dem amerikanischen Kontinent und im asiatisch-pazifischen Raum engagieren werden. Die Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Taiwan und den USA ist inzwischen in eine aktive Phase eingetreten. Dies ist auch der Beginn unseres Strebens nach einem Durchbruch bei Kooperationen in der Welt-wirtschaft.
Doch ich möchte auch, dass unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger Folgendes nicht vergessen: die Pandemie ist noch nicht vorbei und sie stellt die Wirtschaft und die Gesellschaften vieler Länder vor komplexe und immer noch schwerwiegende Herausforderungen.
Beim Blick in die Zukunft sehen wir noch schwierigere Herausforderungen vor uns. Wenn wir von der Regeneration der Weltwirtschaft nach Ende der Pandemie sprechen, vom Wandel der Lebensweisen der Menschen, den dramatischen Veränderungen im weltweiten und regionalen Handel sowie der Umstrukturierung der Weltwirtschaftsordnung, so gilt für all diese Aspekte, dass sie unsere Wirtschaftskraft und unser Reaktionsvermögen insgesamt auf die Probe stellen.
Angesichts der größten nationalen und internationalen Veränderungen der letzten Jahrzehnte wird Taiwan weiter seine Widerstandskraft unter Beweis stellen. Die Regierung wird dabei Kurs halten und in drei Richtungen strategisch vorgehen, um die neuen wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen, die wir uns alle wünschen.
Zunächst müssen wir uns mit vollem Einsatz der Umstrukturierung der Lieferketten widmen. Derzeit findet eine Auflösung und Neustrukturierung der globalen Lieferketten statt, dies ist ein unumkehrbarer Trend. Überall sind die taiwanesischen Geschäftsleute dabei, die Märkte neu zu segmentieren, ihre Produktionsstätten zu verlagern und nach Taiwan zurückzu-kommen, um hier zu investieren und diese Anpassungen beschleunigen sich.
Die von uns eingeleiteten Maßnahmen wie die „5+2 Brancheninnovationen“, die Identifi-zierung der „Sechs wichtigsten strategischen Branchen“, das Investitionsprogramm „1-Billion-Taiwan-Dollar“, die „Neue Südwärts-Politik“, die Wirtschaftskooperation zwischen Taiwan und den USA und die Beteiligung an der regionalen Wirtschaftsintegration sind alle eng mit der Neustrukturierung der Lieferketten verknüpft.
Wir werden diese politischen Maßnahmen und Programme miteinander verbinden sowie die Ressourcen der Regierung und die Ressourcen aus der Gesellschaft zusammenbringen. Wir werden die Energien aus den verschiedenen Ministerien mit vollem Einsatz und in vollem Umfang einsetzen, damit Taiwan zu einem unverzichtbaren Schlüsselfaktor in den internationalen Lieferketten wird.
Zweitens wollen wir Taiwan zu einer starken Basis für internationales Kapital, Fachkräfte und digitale Technologien machen. Bei der künftigen Neustrukturierung der Lieferketten sind die wichtigsten Elemente Kapital und Fachkräfte sowie die Kerntechnologien für die Ent-wicklung zu einer Digitalwirtschaft.
Wir werden bei den Rahmenbedingungen und den gesetzlichen Regelungen unsere Reformen vertiefen und Hindernisse abbauen, um mehr internationales Kapital und Fachkräfte anzu-ziehen. Gleichzeitig werden wir durch internationalen Austausch, durch Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie sowie durch die politischen Bemühungen, Taiwan zu einem zweisprachigen Land zu machen, auch im Inland aktiv mehr Fachpersonal für die Industrie heranbilden.
Auf der anderen Seite nutzen wir Taiwans Stärken in den Bereichen der Informations- und Nachrichtentechnik, bei den Halbleitern, dem Internet der Dinge und in der Künstlichen Intelligenz, um Schlüsseltechnologien zu entwickeln und zu beherrschen und so die digitale Transformation der Industriebranchen und der Wirtschaft insgesamt voranzutreiben.
Drittens wollen wir alles tun, um eine ausgeglichene wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu erreichen. Bei der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung nach Ende der Pandemie besteht das Risiko entstehender Ungleichgewichte. Wenn das Kapitalangebot stark zunimmt, kann dies auch unvorteilhafte Nachwirkungen haben.
Daher wird die Regierung künftig der angemessenen Verteilung von Ressourcen noch größere Beachtung schenken. Sie wird sich um sozial schwache Gruppen kümmern, die von dem wirtschaftlichen Wandel betroffen sind. Sie wird ihre Bemühungen verstärken, Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen und Kapitalflüsse so zu steuern, dass sie möglichst effizient eingesetzt werden. Damit soll die Dividende aus dem Aufschwung der taiwanesischen Wirtschaft allen Menschen unseres Landes zugutekommen.
III. Eine solide Verteidigung zum Schutze unseres Landes
Natürlich hängen die wirtschaftlichen Aussichten Taiwans vom Frieden und der Stabilität in der Region ab. Uns ist sehr bewusst, dass Anzeichen von Schwäche und Nachgeben keinen Frieden bringen. Nur wenn wir selbst ausreichend vorbereitet sind und uns auf eine feste Verteidigungsbereitschaft und solide Verteidigungsfähigkeit stützen können, wird es uns möglich sein, Taiwans Sicherheit und den Frieden in der Region zu wahren.
Eine hoch entwickelte Verteidigungsfähigkeit, um das Konfliktrisiko zu senken - das ist der Grundsatz unserer jetzigen Verteidigungspolitik. Zurzeit sehen wir uns mit Störmanövern durch Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe von der anderen Seite der Taiwan-Straße konfron-tiert. Auch wenn die Situation in der Taiwan-Straße angespannt ist, haben unsere Streitkräfte die Lage im Griff und sind in der Lage, jederzeit sofort zu reagieren, womit sie ihre Verteidigungsaufgabe unerschütterlich erfüllen.
In den vergangenen paar Jahren habe ich immer, wenn ich Zeit hatte, unsere Streitkräfte besucht, um nach unseren Offizieren und Soldaten zu schauen: von den Radarstationen im Hochgebirge bis zur Flotte in ihren Heimathäfen, von den Landstreitkräften, die in ihren Stellungen Artillerieübungen durchführten bis zu den Schulen, in denen junge Offiziere ausgebildet werden.
Mir geht es nicht nur darum, mich bei den Soldatinnen und Soldaten zu bedanken, die Tag und Nacht im Dienst sind, um unser Land zu verteidigen. Es geht mir auch darum, dass unsere Bürgerinnen und Bürger sich bewusst sind, dass unsere Streitkräfte von unseren Familien-angehörigen gebildet werden und sie sind die stärkste Stütze unserer Souveränität und unserer freiheitlichen Demokratie.
In meinen Kontakten mit unseren Militärangehörigen habe ich viele Dinge erlebt, die mein Vertrauen noch weiter gestärkt haben. Ich weiß noch, als ich die Luftwaffe besucht habe und die Pilotinnen und Piloten, die in der Alarmbereitschaft darauf warten, jederzeit zum Einsatz gerufen zu werden, mir voller Selbstbewusstsein sagten: „Sie können die Luftverteidigung beruhigt in die Hände der Luftwaffe legen.“
Ich weiß noch, als ich beim Besuch des Ausbildungszentrums für Pioniere unsere Offizier-innen sah, wie sie in voller Pioniermontur ihre Energie und ihren Mut unter Beweis stellten, bei Bedarf jederzeit einen Weg durch die Berge zu bahnen oder an Gewässern Brücken zu errichten. Bei den Unterwasserpionieren der Marine begeben sich die Soldatinnen und Soldaten unerschrocken mit schwerer Ausrüstung auf den Meeresgrund, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
Das sind die Streitkräfte der Republik China. Ob an vorderster Front oder in der Logistik, ob Männer oder Frauen, sie sind unsere Söhne und Töchter, die der feste Wille eint, unser Land zu verteidigen.
In letzter Zeit haben Angehörige unserer Streitkräfte während ihrer Dienstausübung sich Verletzungen zugezogen oder sind sogar ums Leben gekommen. Wir gedenken der Opfer, die sie gebracht haben und sind stolz auf unsere Streitkräfte, die ihre Aufgaben mutig und mit vollem Einsatz erfüllen.
Als Oberbefehlshaberin der drei Teilstreitkräfte sind mir die Zukunft unserer Streitkräfte und die Streitkräfte der Zukunft die Anliegen, die mir am meisten am Herzen liegen.
Angesichts der Aufrüstung auf der anderen Seite der Taiwan-Straße und der Provokationen, die von dort ausgehen, werden wir die Modernisierung unserer Verteidigungskraft kontinu-ierlich verstärken und unsere Fähigkeiten zur asymmetrischen Kriegsführung weiter ver-bessern. Während wir aus dem Ausland Rüstungsgüter erwerben, halten wir gleichzeitig daran fest, die Verwirklichung einer autonomen Landesverteidigung zu beschleunigen. Bei der heimischen Produktion von modernen Trainingsflugzeugen für die Luftwaffe und von Unter-seebooten haben wir schon erhebliche Fortschritte erzielt. Wir werden weiter mit dieser zweigleisigen Strategie fortfahren, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
Wir sind nicht nur dabei, die Funktionalität unserer militärischen Ausrüstungen zu verbessern, unsere Streitkräfte benötigen auch hervorragende Soldatinnen und Soldaten. Wir wollen nicht nur die Professionalität derjenigen erhöhen, die sich freiwillig zu den Streitkräften gemeldet haben, sondern ganz besonders auch ein effizientes System der Reserve aufbauen, um die personelle Qualität und Kampfkraft unserer Streitkräfte zu stärken.
Ich bin mir sicher, dass in der letzten Zeit viele zu Übungen einberufene Reservistinnen und Reservisten gespürt haben, dass die Professionalität der Übungen zugenommen hat. Auf der Grundlage des Prinzips, dass die regulären Streitkräfte und die Reserve eine Einheit bilden müssen, werden wir die Reform der Reserve und der Regelungen zur Mobilisierung rasch auf den Weg bringen.
Angesichts der Bedrohung von Frieden und Stabilität in der Region halten wir an dem Prinzip fest, dass „wir uns nicht vor dem Kampf fürchten, aber auch keine Konflikte suchen“, um zu vermeiden, dass unbeabsichtigt Konflikte ausbrechen. Das Verteidigungsministerium ver-öffentlicht zu gegebener Zeit Informationen zu Bewegungen und Entwicklungen der Streit-kräfte des kommunistischen China, tauscht mit unseren Nachbarländern Informationen aus und stärkt unsere Rolle als Sicherheitspartner. Es wird auch unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger über die Entwicklungen in der Taiwan-Straße informieren, so dass wir eine noch solidere Landesverteidigung verwirklichen können, die auf der Unterstützung durch die gesamte Bevölkerung aufbaut.
IV. Durch aktives Handeln Beteiligung an der regionalen Zusammenarbeit
In dieser Zeit schenken wir Veränderungen in der regionalen Sicherheit unsere besondere Aufmerksamkeit. Durch die Konflikte um die Souveränität im Südchinesischen Meer und im Ostchinesischen Meer, die Zusammenstöße zwischen China und Indien und die Veränder-ungen in der Lage in der Taiwan-Straße bis hin zur Einführung des sogenannten „Nationalen Sicherheitsgesetzes“ in Hongkong stehen Demokratie, Frieden und Wohlstand in der indo-pazifischen Region vor ernsten Herausforderungen.
Um ihre eigene Sicherheit und ihr demokratisches System ohne äußere Einflussnahme zu bewahren, haben sich die Staaten der Region in vielfältiger Weise zusammengetan und so in der Region noch nie dagewesene Veränderungen herbeigeführt.
Wir wollen die Prüfungen, die die veränderte Lage für uns bereithält, in historische Chancen verwandeln. Wir halten an unserer Souveränität fest und werden unsere demokratischen Werte bewahren, hier wird es keine Veränderung geben. Doch in unserer Strategie werden wir beweglich bleiben und uns flexibel anpassen.
Die Lage hat sich geändert. Nur wenn wir rechtzeitig Vorkehrungen treffen, können wir die Zukunft gestalten anstatt den Veränderungen nur nachzufolgen oder gar in die Lage zu kommen, dass unser Schicksal von anderen bestimmt wird.
Wir werden uns aktiv an der Gestaltung einer künftigen neuen internationalen und regionalen Ordnung beteiligen. Gemäß dem Prinzip einer Wertegemeinschaft werden wir uns in der internationalen Gemeinschaft mit positiven Kräften zusammenschließen und die partner-schaftlichen Beziehungen zu gleichgesinnten und uns freundschaftlich verbundenen Staaten ausbauen. Wir werden uns auch noch aktiver an multilateraler Kooperation und multi-lateralem Dialog in der Region und weltweit beteiligen.
Die Wahrung des Friedens und die Förderung einer Entwicklung zu mehr Wohlstand, darin liegt der wichtigste Wert, den die Republik China in Taiwan in die Region einbringt. Wir wollen die positiven Kräfte fördern und die Werte des Fortschritts und des Guten in der Welt verbreiten.
Ich habe auch davon Notiz genommen, was die Führung auf der anderen Seite der Taiwan-Straße in einer per Video übertragenen Rede in den Vereinten Nationen öffentlich zum Aus-druck gebracht hat: China wird nie ein Hegemon werden, wird nicht expansionistisch sein und strebt nicht die Errichtung eines Machtbereiches an.
Zu einer Zeit, da die Länder der Region, ja sogar im weltweiten Maßstab sich Sorgen darum machen, dass sich China expansionistisch und hegemonial verhält, hoffen wir, dass dies der Beginn eines wirklichen Wandels ist.
Hierbei gilt besonders zu einer Zeit, da die Lage im Indopazifik und in der Taiwan-Straße weltweit große Beachtung findet, dass wenn Peking die Stimme Taiwans ernst nehmen und seine Haltung im Umgang mit der Situation zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße ändern würde, um gemeinsam mit Taiwan eine Aussöhnung und einen friedlichen Dialog herbei-zuführen, dann könnten die regionalen Spannungen mit Sicherheit abgebaut werden.
In den Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße werden wir keine unbedachten Schritte unternehmen, aber wir werden an unseren Grundsätzen festhalten. Die Stabilität in der Taiwan-Straße zu wahren, liegt im gemeinsamen Interesse beider Seiten. Wir sind entschlossen, die Stabilität zwischen beiden Seiten zu wahren, allerdings kann Taiwan diese Aufgabe nicht alleine leisten, beide Seiten tragen hierfür die Verantwortung.
Für beide Seiten der Taiwan-Straße liegt das Gebot der Stunde darin, auf der Grundlage beiderseitigen Respekts und wohlwollenden Verständnisses Gespräche über einen Weg zur friedlichen Koexistenz zu führen. Sobald die Behörden in Peking dazu bereit sind, die Konfrontation zu beenden und die Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße zu verbessern, sind wir bereit, unter der Voraussetzung der Wahrung der gegenseitigen Würde in einen echten Dialog auf Augenhöhe einzutreten. Dafür tritt das taiwanesische Volk ein, darin besteht auch Einigkeit zwischen Regierung und Opposition.
V. Schluss: Solidarität und Kooperation, Herausforderungen gemeinsam begegnen
Wir spüren in der letzten Zeit ganz deutlich, dass sich die Differenzen bezüglich der Außenbeziehungen und dem Thema der nationalen Sicherheit innerhalb des taiwanesischen Volkes verringert haben. Das taiwanesische Volk hofft, dass Frieden und Wohlstand in der Region sich stabil fortentwickeln können.
Hier besteht auch Einigkeit zwischen Regierung und Opposition. Beispielsweise hat die Opposition erst kürzlich einen Antrag auf Stärkung der Beziehungen zwischen Taiwan und den USA ins Parlament eingebracht, der mit Zustimmung der Regierungs- und Oppositions-fraktionen einstimmig verabschiedet wurde. Zudem haben die Bürgermeister der sechs Metro-polregionen gegenüber dem Ausland gemeinsam gegen die Herabsetzung von Taiwans Status in internationalen Organisationen protestiert und diese dadurch erfolgreich korrigiert. Dies sind Beispiele für überparteiliche Zusammenarbeit, wobei die Parteien solidarisch ihre gemeinsame Haltung zum Ausdruck bringen.
Ich denke, dass wir durch diese Beispiele alle politischen Parteien dazu aufrufen können, in unseren Bemühungen gemeinsam vorzugehen. Innenpolitisch stehen wir in Konkurrenz zueinander und wir nehmen entgegengesetzte Positionen ein, das ist normal in einer Demokratie. Im Interesse des Fortbestehens unseres Staatswesens und für die Werte der freiheitlichen Demokratie müssen wir jedoch nach außen hin zusammenstehen und uns gemeinsam darum bemühen, das Land zu führen, um die Herausforderungen zu bestehen.
So wie bei allem, was Taiwan in den vergangenen 71 Jahren erlebt hat, haben schwierige Situationen unsere Widerstandsfähigkeit gefestigt. Herausforderungen haben unseren Willen gestärkt und so hat auch eine Epidemie das Bewusstsein des Zusammenhalts des taiwane-sischen Volkes gefördert und uns die Zuversicht verliehen, nach vorne zu schauen.
Wir haben die Epidemie unter Kontrolle gehalten, unsere Wirtschaftsstrategien entwickelt, zur Stabilität in der Region beigetragen und Taiwans Sicherheit verteidigt - zu welchem Zweck haben wir dies getan? Weil wir nachfolgenden Generationen auf Taiwan ein starkes Land hinterlassen wollen.
Bei den diesjährigen „Golden Melody Awards“ wurden wir Zeugen des Elans, der Kreativität und der Vitalität der jungen Generation. Sie haben mit Liedern unterschiedlicher Stilrich-tungen selbstbewusst in ihren Muttersprachen gesungen und ihre Wertvorstellungen zu vielfältigen Themen zum Ausdruck gebracht. Insbesondere zu erwähnen ist das Album „kinakaian - Muttersprache“, dem der Hauptpreis „Album des Jahres“ verliehen wurde.
Auch wenn sie sich stilistisch unterscheiden, so haben diese jungen Kreativen auf der Bühne glanzvolle Darbietungen gezeigt und damit Taiwans pluralistische Kultur auf die bestmög-liche Weise verdeutlicht. Und das, was all diese Errungenschaften stützt, sind die Rahmen-bedingungen unserer freiheitlichen Demokratie.
Alles, worum wir uns heute bemühen, dient der jungen Generation. Wir wollen es damit nachfolgenden Generationen Taiwans ermöglichen, in ihrem kreativen Schaffen ihr Selbst-bewusstsein zur Geltung zu bringen, damit sie stolz auf die Kulturen und Werte dieses Landes sein können und sich mutig der Welt zuwenden können.
Mit dem heutigen Nationalfeiertag der Republik China verbinden wir einen Wunsch, wie die Taiwanesinnen und Taiwanesen in zwanzig Jahren auf dieses Jahr 2020 zurückblicken werden: Sie werden sich an ein Jahr erinnern, in dem wir die Gunst der Stunde genutzt haben, angesichts einer sich verändernden Lage mutig nach vorne zu gehen, Herausforderungen zu überwinden, Fesseln abzuschütteln und es allen zu ermöglichen, auf der Grundlage ihres freien Willens die Chancen, die die Zukunft uns bietet, wahrzunehmen.
Lasst uns von nun an solidarisch zusammenstehen und Schritt für Schritt gemäß dem Liedtext „Wo es einen Weg gibt, folgen wir ihm singend; wo es keinen Weg gibt, waten wir durch Flüsse und überqueren Berge“, in eine lichtere Zukunft voranschreiten.
Der Republik China alles Gute zum Geburtstag! Ich danke Ihnen.